Als Bolitho das Kommando über sein altes, mit vierundsiebzig Kanonen bestücktes Schiff übernommen hatte, fand er Inch als Fünften und jüngsten Offizier vor. Der Dienst auf See, fern vom Land und oft auch fern von der Flotte, hatte den jungen Leutnant Sprosse um Sprosse die Karriereleiter hinaufgeführt, als ein Offizier nach dem anderen gefallen war. Als der Erste Offizier sich das

Leben nahm, hatte Bolithos Freund Herrick bereitgestanden, dessen Posten zu übernehmen; doch dann hatte Thomas Herrick im Rang eines Kapitäns das Schiff verlassen und ein eigenes Kommando bekommen. Damit hatte sich Leutnant Francis Inch — schlaksig, mit einem Pferdegesicht und immer einsatzwillig — , eine Chance geboten. Aus Gründen, die Bolitho selbst nicht richtig durchschaute, war es ihm ermöglicht worden, sie wahrzunehmen. Doch bei dem Gedanken, zum erstenmal als Stellvertreter des Kommandanten das Schiff in Fahrt zu bringen, mochte ihn sein neuer Status mit Unbehagen und nicht geringer Besorgnis erfüllen.

«Boot ahoi?«Der übliche Anruf klang von der Bordwand des Schiffes herab.

Allday legte die Hände an den Mund. »Hyperion.»

Als die Riemen gehoben waren und der Buggast das Boot an der Kette anhakte, schüttelte Bolitho den Mantel ab, preßte seinen Säbel an die Hüfte und sprang schnell zur Schanzpforte hinauf. Ihm wurde nicht einmal die Luft knapp, und er fand sogar Zeit, bewundernd daran zu denken, was gute Ernährung und regelmäßiger körperlicher Einsatz für jemanden bewirken konnten, der sich an das bewegungsarme, beengte Bordleben gewöhnt hatte.

Als sein Kopf über dem Schanzkleid auftauchte, brachen die Pfeifen in ein schrilles Trillern aus, und er sah die zackige Bewegung der Musketen, als die angetretenen Marinesoldaten präsentierten.



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