Dick Francis

Festgenagelt

Kapitel 1

Bitterer Februar, innen wie außen, Stimmung dem Wetter entsprechend, scheußlich und trüb, nahe dem Nullpunkt. Ich ging auf der Rennbahn in Newbury vom Waageraum zum Führring und gab mir Mühe, nicht nach dem Gesicht, das ja doch fehlen würde, Ausschau zu halten — dem vertrauten Gesicht von Danielle de Brescou, mit der ich offiziell verlobt war, samt Diamantring und allem.

Daß ich damals im November diese Frau gewonnen hatte, war unverhofft gekommen, ein plötzliches Erwachen, aufregend… beglückend. Sie zu halten erwies sich jetzt, in den Frösten vor dem Frühling, als teuflisch schwer. Meine innig geliebte, dunkelhaarige Freundin schien sich zu meinem Erschrecken im Moment weniger für einen Hindernisjockey (mich) zu interessieren als für einen älteren, reicheren Weltmann von besserer Herkunft (es war ein Prinz), der noch nicht einmal den Anstand hatte, schlecht auszusehen.

Ich versuchte zwar, mir nichts anmerken zu lassen, mußte aber feststellen, daß die Enttäuschung immer wieder in den Rennen durchbrach, wo ich ohne Rücksicht auf Verluste über Hindernisse jagte, bedenkenlos die Gefahr suchte, um das Gefühl der Zurückweisung auszulöschen. Es war vielleicht nicht vernünftig, mit blockiertem Verstand einer riskanten Arbeit nachzugehen, aber Beruhigungsmittel gab es in vielen Formen.

Prinzessin Casilia wartete ohne Danielles Begleitung wie üblich im Führring und beobachtete, wie ihr Starter Cascade präsentiert wurde. Ich trat zu ihr, ergriff die dargebotene Hand, machte die kleine Verbeugung, die ihrem Rang zukam.

«Kalt heute«, sagte sie zur Begrüßung, die Konsonanten ein wenig hart, die Vokale rein und klar; der Akzent ihres europäischen Heimatlandes klang nur leise an.

«Kalt, ja«, sagte ich.

Danielle war nicht mitgekommen. Natürlich nicht. Dumm von mir, darauf zu hoffen.



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