
Es war bereits das dritte Wochenende, an dem sie sicher war, daß ich Verständnis hätte.
Die Prinzessin sah distinguiert aus wie immer, in den mittleren Jahren, schlank, ausgesprochen feminin, warm eingehüllt in einen üppigen Zobelmantel, der von schmalen Schultern schwang. Normalerweise war ihr hochgestecktes, glattes dunkles Haar unbedeckt, doch heute trug sie einen hohen russischen Pelzhut mit riesiger, aufgebogener Krempe, und flüchtig dachte ich, daß ihn kaum jemand stilvoller hätte tragen können. Ich ritt die rund zwanzig Pferde ihrer Koppel seit mehr als zehn Jahren und kannte die Kleidung, die sie zu Rennbahnbesuchen anzog, ziemlich gut. Der Hut war neu.
Sie bemerkte die Richtung meines Blickes und die in ihm liegende Bewunderung, sagte aber lediglich:»Zu kalt für Cascade, oder?«
«Das hält er aus«, meinte ich.»Er läuft sich beim Aufgalopp warm.«
Sie würde zu Danielles Abwesenheit nichts sagen, wenn ich davon schwieg. Stets zurückhaltend, ihre Gedanken hinter langen Wimpern verbergend, klammerte sich die Prinzessin an feine Umgangsformen wie an einen Schild gegen die schlimmsten Bedrängnisse der Welt, und ich war oft genug in ihrer Gesellschaft, um die von ihr gewählten sozialen Fassaden nicht geringzuschätzen. Sie konnte Unwetter mit Höflichkeit besänftigen, Blitze durch standhaftes Geplauder entschärfen und die kampflustigsten Gegner mit der Erwartung entwaffnen, daß sie sich gut benehmen würden. Ich wußte, es war ihr lieber, wenn ich meinen Kummer für mich behielt; sonst würde ich sie nur in Verlegenheit bringen.
