«Prinzessin…«sagte ich und machte einen Schritt in den Raum.

Sie wandte den Kopf. Sie trug immer noch den Zobelmantel und den russischen Hut, obwohl sie die Überkleidung normalerweise in ihrer Loge ablegte. Ihre Augen sahen mich ausdruckslos an, verschleiert, weit offen, blau und leer.

Schock, dachte ich.

«Prinzessin«, sagte ich nochmals, beunruhigt.

Der Mann antwortete. Seine Stimme entsprach seiner Nase und seinem Kinn, markant, energisch, voller Kraft.

«Gehen Sie«, sagte er.

Kapitel 2

Ich ging.

Ich wollte mich keinesfalls ungebeten in irgendwelche privaten Probleme der Prinzessin einmischen, und diese Einstellung begleitete mich auf dem Weg nach unten. Ich war zu sehr an unsere auf Distanz bedachte Beziehung gewöhnt, als daß ich mir eingebildet hätte, ihre Angelegenheiten gingen mich etwas an. Mit der Einschränkung, daß sie die Frau von Danielles Onkel war.

Als ich dann hinaus zu meinem Wagen ging, wünschte ich, ich wäre nicht so überstürzt abgezogen oder hätte wenigstens erst einmal gefragt, ob sie meine Hilfe brauchte. Die herrische Stimme des Fremden hatte einen nachdrücklich warnenden Unterton gehabt, aus dem ich zunächst geschlossen hatte, er wolle die Prinzessin nur beschützen, aber rückblickend war ich mir da nicht so sicher.

Es konnte nichts schaden, dachte ich, wenn ich wartete, bis sie nach unten kam — denn irgendwann mußte sie schließlich nach Hause fahren —, und mich vergewisserte, daß es ihr gut ging. Wenn der Fremde noch bei ihr war und mich wieder so grob abfertigte, sie ihn aber offensichtlich als ihren Beschützer ansah, dann würde ich sie zumindest wissen lassen, daß ich ihr nötigenfalls beigestanden hätte.



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