
Ich ging durch das Sattelplatztor zum Parkplatz, wo ihr Chauffeur Thomas wie gewohnt in ihrem Rolls-Royce auf sie wartete.
Thomas und ich sagten uns meistens auf den Parkplätzen guten Tag, denn er, ein phlegmatischer Londoner, las lieber friedlich in irgendeinem Buch, als auf die sportlichen Ereignisse um ihn herum zu achten. Dick und zuverlässig, chauffierte er die Prinzessin seit Jahren und kannte ihr Leben und ihren Tagesablauf so gut wie jemand aus ihrer Familie.
Er sah mich kommen und winkte mir zu. Normalerweise ließ sie, wenn ich ihre Loge verlassen hatte, nicht mehr lange auf sich warten, so daß mein Erscheinen für Thomas als Zeichen diente, den Wagen zu starten und den Motor warmlaufen zu lassen.
Ich ging zu ihm, und er ließ ein Fenster herunter, um mit mir zu sprechen.
«Ist sie soweit?«fragte er.
Ich schüttelte den Kopf.»Da ist jemand bei ihr…«Ich zögerte.»Kennen Sie einen jüngeren Mann mit dunklen Haaren, dünn, vorspringende Nase und Kinn?«
Er überlegte und sagte, ihm falle keiner ein und warum es mich beunruhige.
«Sie hat nicht zugesehen, wie eines von ihren Pferden gelaufen ist.«
Thomas setzte sich gerade hin.»Darauf würde sie doch nie verzichten.«
«Eben. Hat sie aber.«
«Da stimmt was nicht.«
«Ja, denke ich auch.«
Ich sagte Thomas, ich ginge noch einmal zurück, um mich zu vergewissern, daß ihr nichts passiert sei, und auch ihm war jetzt Unruhe anzusehen.
Das letzte Rennen war vorbei, die Zuschauer zerstreuten sich rasch. Ich stellte mich ans Tor, wo ich die Prinzessin nicht verpassen konnte, und überflog Gesichter. Viele waren mir bekannt, viele kannten mich. Ich sagte fünfzig Mal gute Nacht und hielt vergeblich nach dem Pelzhut Ausschau.
Der Menschenstrom verebbte zu einem Rinnsal und das Rinnsal zu Zweier- und Dreiergruppen. Ich wanderte langsam wieder auf die Tribüne zu und dachte unentschlossen, daß ich vielleicht noch einmal in ihre Loge hinaufgehen sollte.
