Dieser Gedanke wurmte Bolitho und stimmte ihn traurig. Vielleicht würde der Kommodore etwas Licht in die Dinge bringen. Aber diesmal wollte er nicht hoffen; er wagte es nicht. Bolitho dachte an seine Depeschen, an die zusätzlichen Nachrichten, die er Kommodore James Sayer überbrachte. An Sayer erinnerte er sich gut, er war ihm ein- oder zweimal in Cornwall begegnet. Vorher hatten sie im selben Geschwader in Amerika gedient, beide als Leutnants. Während der letzte Salutschuß noch in der Luft widerhallte, glitt die Tempest die letzte halbe Kabellänge

Bolitho sagte knapp:»Wenn Sie soweit sind, Mr. Herrick?«Herrick hob das Sprachrohr, seine Antwort war ebenso förmlich.»Aye, aye, Sir. «Dann rief er:»An die Leebrassen! Klar zum Aufschießen!«Die reglosen Matrosen erwachten zum Leben.»Marsbrassen los!»

Bolitho sah Thomas Gwyther, den Schiffsarzt, die Backbordgangway entlangkommen, wobei er versuchte, den geschäftigen Matrosen auszuweichen. Wie wenig war er mit dem letzten Arzt zu vergleichen, den Bolitho an Bord gehabt hatte. Das war ein gewalttätiger, herrschsüchtiger Trunkenbold gewesen, der es zugelassen hatte, daß seine Leidenschaft für den Alkohol, aber auch die Erinnerungen, die er damit hatte auslöschen wollen, ihn völlig zerstörten. Gwyther nun war ein gebeugter, ausgemergelter, kleiner Mann mit zottigem, grauem Haar, dessen gebrechliche Erscheinung seiner offenkundigen Zähigkeit und Ausdauer keineswegs entsprach. Er erfüllte bereitwillig seine Pflichten, zeigte aber an Land jedesmal weit mehr Interesse für die Vegetation als für die Menschen.»Gei auf die Marssegel!»

Der Steuermann befahl mit seiner trockenen, nüchternen Stimme:»Ruder hart Backbord!»

Die Tempest gehorchte dem Ruder und der abflauenden Brise, drehte sich langsam über ihrem Spiegelbild und verlor an Fahrt. Auf den Decks wurde es noch heißer als zuvor, als auch das letzte Segeltuch aufgegeit und festgezurrt wurde.»Fallen Anker!»



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