
Hartnäckig hielt er an der Behauptung fest, nicht seine Fragerei sei blödsinnig, sondern mein Zustand; dieser stehe in Widerspruch zur gesamten anthropologischen, existentialistischen und zu wer weiß was noch für welcher Philosophie des Menschen als eines vernunftbegabten und der eigenen Vernunft bewußten Wesens. Dieser Student mußte gerade die Prüfungen hinter sich haben, denn er schüttelte die Hegels und Descartes (Ich denke, also bin ich, nicht aber: Wir denken, also sind wir) nur so aus dem Ärmel. Er fiel mit Husserl über mich her und setzte mit Heidegger nach, um zu beweisen, daß das, was mit mir war, nicht sein konnte, da es sämtlichen Interpretationen des geistigen Lebens widersprach, die wir schließlich nicht irgendwelchen Grünschnäbeln, sondern den genialsten Denkern der Geschichte verdanken. Seit einigen tausend Jahren hatten sie sich, angefangen bei den Griechen, mit der introspektiven Erforschung des Ichs beschäftigt, und plötzlich kommt einer daher, dessen Gehirnhemisphären voneinander getrennt sind! Er scheint gesund wie ein Fisch im Wasser, aber seine Rechte weiß nicht, was die Linke tut, mit den Beinen verhält es sich ebenso, manche Experten sagen, er habe nur ein Bewußtsein auf der linken Seite, weil die rechte ein seelenloser Automat sei, andere behaupten, er habe zwei, aber das rechte sei stumm, weil das Brocasche Zentrum sich im linken Schläfenlappen befinde, dritte wiederum meinen, er habe zwei teilweise getrennte Ichs, und das sei doch absolut der Gipfel!
„Wenn man nicht teilweise aus dem Zug springen und nicht teilweise sterben kann“, schrie er auf mich ein, „dann kann man auch nicht teilweise denken!“ Ich verzichtete darauf, ihn hinauszuwerfen, weil er mir leid tat. Aus Verzweiflung suchte er mich zu bestechen. Er nannte es eine freundschaftliche Spende: 840 Dollar. Er schwor, dies seien seine Ersparnisse für die Ferien, er sei bereit, sie sausenzulassen, einschließlich des Mädchens, das er hatte mitnehmen wollen.
