Wahre Freunde erkennt man in der Not. Noch in dieser Nacht traf Tarantoga mit dem Flugzeug in San Diego ein, und als ich ihm alles möglichst schlüssig und präzis erzählt hatte, beschloß er, sich meiner anzunehmen — nicht als Wissenschaftler, sondern als gute Seele. Auf seinen Rat wechselte ich das Hotel und ließ mir einen Bart stehen. Er wollte sich inzwischen nach einem Fachmann umsehen, der den Eid des Hippokrates höher achtete als die Publicity, die sich mit einem interessanten Fall gewinnen ließ.

Am dritten Tag kam es zu einer Hakelei. Tarantoga hatte konkrete Neuigkeiten gebracht, die für mich gut und tröstlich waren, ich aber erwies ihm meine Dankbarkeit nur teilweise. Er regte sich über mein linksseitiges Mienenspiel auf, denn ich kniff immer wieder anzüglich das Auge zu.

Ich setzte ihm auseinander, daß dies nicht an mir, sondern an meiner rechten Gehirnhalbkugel lag, über die ich keine Herrschaft hatte, er ließ sich auch ein wenig beschwichtigen, brach aber sogleich wieder in Vorwürfe aus. Es sei durchaus nicht alles in Ordnung, denn selbst wenn in meinem einen Körper meiner zwei steckten, so sei diesen sarkastischen, höhnischen Gesichtern, die ich halbseitig schneide, klar und deutlich abzulesen, daß ich gegen ihn schon vorher zum Teil eine Abneigung gehegt haben müsse, die sich nun als schwärzester Undank entlarve. Er sei der Ansicht, Freund sei man entweder ganz oder gar nicht. Eine fünfzigprozentige Freundschaft liege nicht in seinem Geschmack. Irgendwie konnte ich ihn letztlich doch noch beruhigen, und als er fort war, ging ich mir eine Augenbinde kaufen.

Einen Spezialisten hatte er für mich erst in Australien auftreiben können, also flogen wir gemeinsam nach Melbourne. Dort hatte Professor Joshua McIntyre einen Lehrstuhl für Neurophysiologie inne, und sein Vater war der beste Freund des Vaters Tarantogas oder gar ein entfernter Verwandter. McIntyre weckte Vertrauen allein durch sein Äußeres.



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