
So war mir jedenfalls gesagt worden. Nun versagte LEM 2 aber leider, und ich entschloß mich zu einer persönlichen Landung, um zu sehen, was mit ihm los war. Der Kontakt war nämlich nicht völlig unterbrochen. Ich steckte in LEM 1 und spürte zwar nicht mehr LEM 2, aber immerhin Schmerzen im Bauch, der mir eigentlich nicht direkt, sondern über Funk weh tat, denn wie sich nach meiner Landung erwies, hatte man dem LEM die Haube aufgebrochen und den Sendling herausgerissen, um diesem daraufhin an den Bauch zu gehen. Ich konnte das entsprechende Kabel auf meiner Umlaufbahn nicht abschalten, weil sonst zwar meine Bauchschmerzen, damit aber auch die letzten Kontakte mit meinem Sendling weggewesen wären und ich nicht gewußt hätte, wo ich ihn suchen sollte. Das Mare Serenitatis, wo er in die Falle getappt war, gleicht in etwa der Sahara. Außerdem verwechselte ich immer die Kabel, sie hatten zwar alle eine andere Farbe, aber es waren verdammt viele, die Betriebsanleitung für Notfälle war mir abhanden gekommen, und während ich sie suchte, gesellte sich zu den Schmerzen im Bauch noch die Wut, so daß ich mich, ohne lange die Erde zu fragen, zur Landung entschloß. Man warnte mich natürlich, ich dürfe dies unter keinen Umständen tun, weil ich nicht wieder heil herauskäme, aber es liegt nicht in meiner Natur, Rückzieher zu machen. Außerdem ging es mir um den LEM. Er war zwar nur eine mit Elektronik vollgestopfte Maschine, ein Raub der Roboter sollte er trotzdem nicht werden.
Ich sehe schon: Je mehr ich erhelle, desto finsterer wird es. Ich will doch lieber ganz von vorn anfangen. Es ist eine andere Sache, daß ich nicht weiß, wie das „ganz vorn“ gewesen ist — die Erinnerung dürfte vorwiegend in der rechten Gehirnhälfte stecken, zu der ich keinen Zugang habe. Daher kann ich meine Gedanken nicht zusammennehmen. Ich schließe das daraus, daß ich mich an eine Menge Dinge nicht erinnern kann. Um wenigstens etwas darüber zu erfahren, muß ich der Linken mit der Rechten Zeichen machen, wie sie zur Sprache der Taubstummen gehören. Das verschafft mir durchaus nicht immer eine Antwort, manchmal bekomme ich auch einen Daumen gezeigt, der zwischen Zeige- und Mittelfinger steckt, und das ist noch der höflichste Ausdruck einer abweichenden Meinung.