Damals bin ich losgelaufen, um mir „Slippers“ zu kaufen. So hießen doch wohl einmal die Schuhe, die oben auf dem Spann statt der Schnürsenkel Gummieinsätze haben. Mit Schnürsenkeln kam ich nämlich nicht mehr zurecht; ich konnte sie nicht zubinden, wenn meine linke Hälfte nicht spazierengehen wollte. Was die Rechte knüpfte, riß die Linke wieder auf. Daher der Entschluß, Slippers zu kaufen und bei der Gelegenheit gleich noch ein Paar Laufschuhe mitzunehmen, nicht etwa, weil ich meilenweit die Joggingmode mitmachen wollte, sondern um der rechten Gehirnhalbkugel eine Lehre zu erteilen. Ich fand damals einfach keine gemeinsame Sprache mit ihr, mich selbst aber in immer größerer Wut und einem Wust von blauen Flecken. Den Mann im Schuhgeschäft hielt ich für einen simplen Angestellten und das Knurren, mit dem ich mein etwas abwegiges Benehmen zu entschuldigen suchte, demzufolge für angemessen. Eigentlich war es ja nicht mein Benehmen. Kaum lag der Mann mit dem Schuhlöffel vor mir auf den Knien, packte ich ihn bei der Nase. Meine Linke hatte ihn gepackt, und ich suchte mich zu rechtfertigen, das heißt, die Schuld auf diese Linke abzuwälzen. Er mochte mich für verrückt halten (er war nur ein Verkäufer in einem Schuhgeschäft, was weiß so einer über Kallotomien …), aber ich war ziemlich sicher, den Handel zu machen: Er würde mir diese Schuhe letztlich abtreten, weil auch ein Verrückter nicht unbedingt barfuß laufen soll.

Dummerweise war er jedoch ein jobbender Student der Philosophie, und er war total aus dem Häuschen.

„Beim Grips des Menschen und der Barmherzigkeit Gottes, Herr Tichy“, dröhnte er mir durch die Wohnung, „nach den Regeln der Logik sind Sie entweder einer oder mehr! Wenn Sie sich mit der rechten Hand die Hose hochziehen und die linke läßt das nicht zu, dann heißt das, daß hinter einer jeden eine bestimmte Gehirnhälfte steckt, die etwas vorhat oder sich zumindest vorzunehmen gedenkt, da sie sich nicht auf das einlassen will, worauf die andere gerade scharf ist.



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