
Die normalen Menschen, zu denen auch ich eine beträchtliche Zeit meines Lebens gehörte, können nicht verstehen, wie jemand mit gekappten Gehirnhälften scheinbar weiterhin er selber sein kann, denn danach sieht es doch aus, wenn er sich ICH und nicht WIR nennt, normal auf zwei Beinen geht, ganz vernünftig redet und beim Essen nicht erkennen läßt, daß die rechte Halbkugel nicht im Bilde ist über die Machenschaften der linken (der Ausnahmefall in meinem Fall: der Verzehr von Graupensuppe). Übrigens wird auch behauptet, die Kallotomie müsse bereits bei Entstehung der Heiligen Schrift bekannt gewesen sein. Schon dort stehe ja geschrieben, die Linke solle nicht wissen, was die Rechte tut. Ich halte das für eine religiöse Metapher.
Zwei Monate lang saß mir ein Typ auf den Hacken, der darauf wartete, daß ich die Wahrheit ausschwitzte. Er machte mir zu den ungelegensten Zeiten seine Aufwartung, um mich auszuquetschen, wieviel ich denn wirklich sei. Die wissenschaftlichen Werke, die ich ihm gab, damit er selber nachlesen und sich informieren könnte, gaben ihm nichts — ebensowenig übrigens wie mir. Ich lieh ihm die Bücher, um ihn abzuwimmeln.
