1. Kapitel Der Galeerensklave

Im Mai 1835 war ich in Toulon; ich bewohnte dort eine kleine Bastide

Diese Bastide lag ungefähr fünfzig Schritt von dem Fort Lamalgue entfernt, gerade der berühmten Schanze gegenüber, die im Jahr 1793 das Glück des jungen Artillerieoffiziers emporsteigen sah, der später General Bonaparte und endlich Kaiser Napoleon war.

Ich hatte mich in der lobenswerten Absicht zu arbeiten zurückgezogen.

In meinem Kopf wogte ein sehr düsteres, sehr furchtbares Drama, das ich von ebendiesem Kopf auf das Papier übertragen wollte.

Dieses so furchtbare Drama hieß »Kapitän Paul«.

Doch ich bemerkte eines: daß man, um konzentriert arbeiten zu können, ein kleines, enges Zimmer und ein durch dunkle Vorhänge gedämpftes Tageslicht braucht. Die weiten Horizonte, das unabsehbare Meer, die riesigen Gebirge, das alles, besonders wenn es in die reine, goldene Luft des Südens getaucht ist, das alles führt geradenwegs zur Beschauung, und nichts entfernt den Menschen mehr von der Arbeit als die Beschauung.

Die Folge davon war, daß ich, statt »Kapitän Paul« auszuführen, »Don Juan von Marana« träumte.

Die Wirklichkeit wandte sich dem Traum und das Drama der Metaphysik zu.

Ich arbeitete also nicht, wenigstens nicht bei Tage.

Ich beschaute, und ich gestehe, dieses Azurblau des Mittelmeers mit seinen goldenen Flittern, diese riesigen Berge, so schön in ihrer furchtbaren Nacktheit, dieser Himmel, so tief und düster in seiner Durchsichtigkeit, alles das zu sehen war herrlicher, als das zu lesen, was ich hätte schreiben können.

Es ist wahr, in der Nacht, wenn ich es über mich brachte, meine Fensterläden gegen die versuchenden Strahlen des Mondes zu schließen, wenn ich meine Blicke von dem sternenfunkelnden Himmel abzuwenden vermochte, wenn ich mit meinen Gedanken wieder eins war, errang ich die Herrschaft über mich zurück.



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