
Mittlerweile hatten unsere Galeerensklaven ihr Mahl beendet; sie standen auf, um wieder ihren Posten in der Barke einzunehmen; wir näherten uns dem Boot ebenfalls. Und da wir, um es zu erreichen, von Fels zu Fels springen mußten, machte der Aufseher diesen Unglücklichen ein Zeichen, und sie traten sofort bis an die Knie ins Wasser, um uns zu helfen.
Dabei bemerkte ich etwas Eigenartiges: Denn anstatt uns die Hand als Stütze zu reichen, wie es Matrosen zu tun pflegen, boten sie uns den Ellenbogen.
War dies die Folge eines vorher gegebenen Befehles? Geschah dies in der demütigen Überzeugung, ihre Hand wäre unwürdig, die Hand eines ehrlichen Menschen zu berühren?
Gabriel Lambert war schon mit seinen Gefährten in der Barke und hatte zum Riemen gegriffen.
2. Kapitel Henri de Faverne
Wir fuhren ab; doch wie groß auch die Zahl der Möwen war, die uns umflatterten, meine Aufmerksamkeit blieb einem einzigen Ziel zugewandt. Je mehr ich diesen Menschen anschaute, desto mehr kam es mir vor, als wäre er mir vor nicht allzulanger Zeit auf irgendeine Weise begegnet. Wo das? Wie das? - Dessen konnte ich mich nicht erinnern.
Zwei bis drei Stunden vergingen bei diesem hartnäckigen Nachsuchen in meinem Gedächtnis, doch ich führte kein Resultat herbei.
Der Galeerensklave schien so sehr darauf bedacht, meinen Blick zu meiden, daß der Erfolg, den dieser Blick offenbar bei ihm hervorbrachte, mir peinlich zu werden begann; deshalb bemühte ich mich schließlich, an etwas anderes zu denken.
Doch man weiß, wie bohrend das ist, wenn man sich an etwas Bestimmtes erinnern will, ohne daß es gelingt. Unwillkürlich kam ich immer wieder darauf zurück.
In der Überzeugung, daß ich mich nicht täuschte, bestärkte mich noch der Umstand, daß, sooft ich die Augen von ihm abgewandt hatte, er jedesmal zu mir herüberblickte, was ich an seiner schnellen Bewegung feststellen konnte, mit der er den Kopf wegdrehte, sah ich wieder zu ihm.
