Ich brachte genausoviel behutsame Höflichkeit auf wie er.

»Warum fahren Sie nicht selbst?« fragte ich. »Sie würden viel leichter Zugang finden.«

Ein Hauch von Ungeduld zuckte in seinen Augen auf. »Man hält es für besser, jemand zu schicken, der mit ... äh ... Pferden vertraut ist.«

Schlüpfrige Bemerkungen hätten zu nichts geführt und Rupert Hughes-Beckett kaum gefallen. Außerdem schloß ich aus der abfälligen Art, wie er »Pferd« sagte, daß er von seinem gegenwärtigen Auftrag ebensowenig begeistert war wie ich. Das machte ihn mir nicht sympathischer, aber es erklärte wenigstens, warum ich ihn instinktiv abgelehnt hatte. Er tat sein Bestes, und das war gar nicht wenig, doch mit diesem einen Wort hatte er seine ganze Geringschätzung verraten: Mir war diese Haltung schon zu oft begegnet, ich kannte sie.

»Keine Ritter mehr im Auswärtigen Amt?« fragte ich spöttisch.

»Wie meinen Sie?«

»Warum ich?« wollte ich wissen und hörte in der Frage die ganze Verzweiflung des ungewollt Erkorenen. Warum ich? Ich will nicht. Weg damit. Sucht euch jemand anderen. Laßt mich in Ruhe.

»Man fand wohl, es sollte Ihnen angetragen werden, weil Sie den nötigen ... äh ... Status haben«, erwiderte er und lächelte schwach, als wolle er sich für eine derart extravagante Feststellung entschuldigen. »Und die Zeit natürlich«, setzte er hinzu.

Das ging unter die Gürtellinie, aber mein Gesicht blieb ruhig und ausdruckslos. Ich nahm die Brille ab und hielt sie gegen das Licht, wie um zu sehen, ob sie sauber sei, dann setzte ich sie wieder auf. Eine Verzögerungstaktik, die ich mein Leben lang, häufig ganz unbewußt, angewendet hatte, um mir Zeit zum Überlegen zu verschaffen. Eine Angewohnheit aus der Zeit, als mich ein Rechenlehrer mit sechs Jahren gefragt hatte, was ich mit dem Multiplikator gemacht hätte.

Ich hatte damals die eulenhaften Silbergerahmten abgesetzt und seine plötzlich verschwommenen Umrisse angestarrt, während ich in panischer Angst nachdachte. Was, um Himmels willen, war ein Multiplikator?



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