»Ich habe ihn nicht gesehen, Sir. Ich war’s nicht, Sir.«

Sein sardonisches Gelächter hörte ich heute noch. Aus dem Silberrahmen wurde ein Goldrahmen, dann Plastik und schließlich Schildpatt, aber ich nahm immer noch die Brille ab, wenn ich keine Antwort wußte.

»Ich habe Husten«, sagte ich. »Und es ist November.«

Die Albernheit dieser Erklärung wurde durch das tiefe Schweigen noch unterstrichen; Hughes-Beckett neigte den Kopf über sein Glas.

»Ich fürchte, die Antwort ist nein«, sagte ich.

Er hob den Kopf und betrachtete mich ruhig und höflich.

»Man wird enttäuscht sein«, stellte er fest. »Ich möchte fast sagen ... äh ... bestürzt.«

»Sie schmeicheln mir.«

»Man war der Ansicht, daß Sie ...« Er ließ den Satz unbeendet.

»Wer war der Ansicht?« fragte ich. »Wer genau?«

Sanft schüttelte er den Kopf, stellte das leere Glas ab und stand auf.

»Ich werde Ihre Antwort übermitteln.«

»Und mein Bedauern.«

»Wie Sie wünschen, Mr. Drew.«

»Ich hätte keinen Erfolg gehabt«, tröstete ich. »Ich bin kein Detektiv, ich bin Bauer.«

Er warf mir einen Seitenblick zu; ein weniger beherrschter Mensch hätte wahrscheinlich gesagt: »Reden Sie keinen Blödsinn.«

Ich ging mit ihm in die Halle, half ihm in den Mantel, öffnete die Tür und sah ihm nach, wie er barhäuptig durch die eisige Dunkelheit zu dem wartenden Daimler mit Chauffeur ging. Zum Abschied ließ er mich noch fünf Sekunden sein ausdrucksloses Gesicht durch die Scheibe sehen. Dann fuhr der schwere Wagen knirschend über den Kies die Auffahrt hinunter. Ich hustete in der kalten Luft und kehrte ins Haus zurück.

Emma kam in ihrer lässigen Freitagabendaufmachung die geschwungene Regencytreppe herunter: Jeans, kariertes Baumwollhemd, ausgeleierter Pullover und Cowboystiefel. Falls das Haus noch einmal so lange stand, würden die Mädchen des zweiundzwanzigsten Jahrhunderts in diesem anmutigen Rahmen ebenso deplaziert wirken, überlegte ich flüchtig.



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