Wieder zurück in England, lasen Mary und ich Fachliteratur über Ölfarben, ihre Zusammensetzung, ihre Verwendung auf Leinwand und Holz, und wir stopften unsere Veranda voll mit Staffeleien, Leinöl, Terpentin und anderen Malutensilien. Mit meinen neu erworbenen Grundkenntnissen konzipierte ich dann den Pferdemaler Charles Todd und seinen alten Freund, den exzentrischen, abstrakt malenden Jik.

Mary malte schließlich ein Pferd. Es hatte einen zu langen Hals. Wir mußten einsehen, daß wir beide nicht zum Malen taugten, und doch haben wir durch Gefälscht viel über Malerei gelernt.

Kapitel 1

Ich stand draußen und sah, es war ein Unglück geschehen.

Drei Streifenwagen und ein Krankenwagen mit unheilvoll rotierendem Blaulicht parkten vor dem Haus meines Cousins, und Menschen eilten zielstrebig durch die offene Haustür. Der kalte Wind des Herbstanfangs blies lustlos welke, braune Blätter auf die Einfahrt, und tieftreibende Wolkenfetzen kündeten schlechteres Wetter an. Sechs Uhr an einem Freitagabend in Shropshire, England.

Weiß blitzendes Licht in den Fenstern verriet, daß drinnen fotografiert wurde. Ich stellte Koffer und Maltasche auf dem Rasen ab und setzte mit begründet böser Vorahnung meinen Weg zum Haus fort.

Ich war mit dem Zug gekommen und wollte übers Wochenende bleiben. Da mich mein Cousin nicht wie versprochen mit dem Auto am Bahnhof abgeholt hatte, war ich zu Fuß losgegangen, hatte aber fest damit gerechnet, daß er mir schon bald auf den anderthalb Meilen Landstraße mit seinem staubigen Peugeot entgegenkommen und mich lachend, den Kopf voller Pläne, um Entschuldigung bitten würde.

Es gab nichts zu lachen.

Weggetreten und bleich stand er auf dem Flur. Eine schlaffe Gestalt im eleganten Straßenanzug, die Arme lang herunterhängend, als wüßte das Nervensystem nichts von ihnen. Sein Kopf war leicht dem Wohnzimmer zugewandt, aus dem die Blitze kamen, und in seinen Augen stand blankes Entsetzen.



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