
Abgekühlt und erfrischt traf sich das ganze Team zum Aperitif in Madroledos Vorstellung von einer amerikanischen Bar. Draußen in der Wüste stand der Sportwagen von Scheinwerfern bewacht in der warmen Nacht, ein vermummtes Etwas, das heute nicht mehr gebraucht wurde. Morgen abend oder spätestens übermorgen, dachte ich, würden wir alle Szenen abgedreht haben, für die ich ans Steuer gekettet sein mußte. Vorausgesetzt, daß Evan kein Vorwand einfiel, Szene 623 noch mal zu drehen, fehlten uns bloß noch 624 und 625, die Rettung aus höchster Not. Szene 622 und 621, in denen der Mann aus einem drogeninduzierten Schlaf erwacht und seine mißliche Lage abschätzt, hatten wir fertig, und auch die Helikopterschüsse waren im Kasten: weit ausgreifende und dann näher herangehende Luftaufnahmen, die den Sportwagen auf seinem öden, einsamen Terrain zeigten und den zusammengesackten Mann im Wageninneren erkennen ließen. Das sollten die ersten Bilder des Films sein und der Hintergrund zum Vorspann; der Hauptteil der Geschichte wurde anschließend in einer einzigen langen Rückblende erzählt, aus der hervorging, wie der Wagen und der Mann dorthin gekommen waren.
In der Bar unterhielten sich Terry und der Chefkameramann lang und breit über Brennweiten, wobei sie jeden klugen Gedanken mit einem Schluck Sangria begossen. Der Chefkameramann, im Fach auch als» Lichtsetzender «bekannt und privat als Conrad, klopfte mir sacht auf die Schulter und drückte mir ein beinah kaltes Glas in die Hand. Wir alle hatten diesen einheimischen Durstlöscher schätzengelernt, einen herben Rotwein, verdünnt mit Eis und etwas Fruchtsaft.
«Da, lieber Junge; das wirkt Wunder gegen die Austrocknung«, sagte er und nahm im gleichen Atemzug das unterbrochene Gespräch mit Terry wieder auf.»Der hat also 18 Millimeter Weitwinkel benutzt, und natürlich ist jedes bißchen Spannung aus der Szene verschwunden.«
