
Conrad sprach mit der Autorität dessen, der einen Oscar im Schrank stehen hat, und sagte zu jedermann» lieber Junge«, vom Generaldirektor abwärts. Mit seiner von Natur aus volltönenden Baßstimme und dem gepflegten Hängeschnurrbart hatte er den beachtlichen Status eines» Originals «erlangt in einer Branche, die auf Originale spezialisiert ist, doch hinter der Extravaganz lag ein scharfer technischer Verstand, der das Leben in vierundzwanzig Bilder pro Sekunde zerlegte und in Eastman Color dachte.
Terry sagte:»Die Beale-Film nimmt ihn nicht mehr, seit er in Ascot damals 700 Meter ohne 85 er-Filter gedreht hat und sie einen Monat überziehen mußten, bis da das nächste Rennen stattfand.«
Terry war dick, kahlköpfig, vierzig und hatte den einstigen Ehrgeiz, es zum Chefkameramann zu bringen und seinen Namen groß im Vorspann zu sehen, aufgegeben. Jetzt begnügte er sich damit, ein solider, erfahrener, gut ausgelasteter Handwerker zu sein, und Conrad hatte ihn immer gern in seinem Team.
Simon stieß zu uns, und Conrad gab auch ihm ein Glas Sangria. Simon, der Materialassistent von Terrys Crew, war unsicherer, als er es mit dreiundzwanzig hätte sein sollen, und manchmal so naiv, daß man dachte, er sei geistig zurückgeblieben. Seine Aufgabe bestand darin, vor jeder Aufnahme die Klappe zu schlagen, genau darüber Buch zu führen, wieviel Meter welchen Filmtyps verwendet wurden, und das für die Aufnahmen bestimmte Material in die Kassetten einzulegen.
Terry selbst hatte ihm gezeigt, wie man die Magazine lädt, ein Vorgang, bei dem man in völliger Dunkelheit, sozusagen blind, die unbelichtete Filmrolle in die Transportspulen einsetzt. Jeder angehende Materialassistent übt zuerst mit schon belichteten Filmresten im Hellen, so lange, bis er es auch mit geschlossenen Augen kann. Als Simon es aus dem Effeff konnte, beauftragte ihn Terry, ein paar Kassetten richtig zu laden, und erst am Ende eines langen Drehtages wurde im Kopierwerk entdeckt, daß der ganze Film vollkommen schwarz war.
