Dick Francis

Gegenzug

Kapitel 1

Ich folgte Derry Welfram in einem vorsichtigen Abstand von fünfzig Schritten, als er plötzlich stolperte, mit dem Gesicht auf das nasse Pflaster fiel und liegenblieb. Ich hielt an, beobachtete, wie Hände sich streckten, um ihm aufzuhelfen, und sah den Ausdruck des Zweifels, der Sorge, der Bestürzung in den sich öffnenden Mündern der Gesichter um ihn herum. Das Wort, das sich daraufhin in meinem Kopf formte, war grob, ordinär und blieb unausgesprochen.

Derry Welfram lag reglos auf seinem Gesicht, während die vierzehn Starter des 15-Uhr-30-Rennens in York dicht an ihm vorbeistaksten; die Jockeys in ihrer schon feuchten Kleidung blickten mit gedämpfter Neugier zu ihm runter und wieder hoch, konzentriert auf die bevorstehende Aufgabe, fröstelnd in der regendurchsetzten Kälte des frühen Oktober. Der Mann war betrunken. Man konnte ihre Gedanken lesen. Mitten am Nachmittag umkippende Trinker waren auf Rennbahnen nicht gerade unbekannt. Es war ein lausiger, ungemütlicher Nachmittag. Alles Gute dem Zecher.

Ich zog mich unauffällig ein paar Schritte zurück und sah weiter zu. Einige aus der Gruppe, die am dichtesten bei Welfram gewesen war, als er stürzte, rückten von ihm ab, schauten auf die entschwindenden Pferde, wollten fort, wollten das Rennen sehen. Einige traten von einem Fuß auf den anderen, hin und her gerissen zwischen dem Wunsch zu gehen und ihrem Schamgefühl, und einer mit mehr sozialem Verantwortungsbewußtsein hastete davon, um Hilfe zu holen.

Ich wanderte zur offenen Tür der Bar an der Führung hinüber, von wo etliche Besucher die Szene verfolgten. Im Innern war die Bar voll von relativ trockenen Leuten, die sich die LiveBilder auf dem Monitor anschauten, das Leben aus zweiter

Hand.

Einer aus der Gruppe am Eingang sagte zu mir:»Was ist denn los mit dem?«

«Keine Ahnung. «Ich zuckte die Achseln.»Betrunken wahrscheinlich.«



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