
Ich stand still dort, als Teil der Kulisse, drängte mich nicht in die Bar, sondern wartete vor der Tür, unter dem überhängenden Dach, und achtete darauf, daß mir die Tropfen, die vereinzelt herunterkamen, nicht in den Kragen fielen.
Der verantwortungsbewußte Mann kam im Laufschritt zurück, ihm folgte ein stämmiger Mensch in Johanniteruniform. Die Leute hatten Welfram inzwischen halb herumgedreht und seinen Schlips gelockert, schienen aber doch froh zu sein, daß amtliche Hilfe eintraf. Der Johanniter rollte Welfram ganz auf den Rücken und sprach kurz und bestimmt in ein Funkgerät. Dann bog er Welframs Kopf zurück und versuchte Mund-zu-Mund-Beatmung.
Ich konnte mir keine Situation vorstellen, die mich bewogen hätte, meinen Mund auf den von Welfram zu legen. Vielleicht war das zwischen völlig Unbekannten einfacher. Nicht mal, um ihm das Leben zu retten, dachte ich, obwohl ich ihn lieber lebend gehabt hätte.
Ein weiterer Mann kam herbeigeeilt, ein dünner Mann im Regenmantel; vom Sehen kannte ich ihn als den Rennbahnarzt. Er tippte dem Sanitäter auf die Schulter, hieß ihn aufhören und legte erst seine Finger an Welframs Hals, dann sein Stethoskop an die Brust unter dem geöffneten Hemd. Nach längerem Abhorchen, einer halben Minute vielleicht, richtete er sich auf und sagte etwas zu dem Sanitäter, während er das Stethoskop in der Tasche seines Regenmantels verstaute. Dann eilte er wieder fort, da das Rennen bevorstand und der Rennbahnarzt bei jedem Lauf an der Bahn sein mußte, um den Jockeys zu helfen.
Der Sanitäter gab noch einen Funkspruch durch, versuchte aber nicht mehr, Luft in unempfängliche Lungen zu blasen, und bald trafen Kollegen von ihm mit einer Bahre und einer Decke ein und trugen die diskret verhüllte Last davon — das Silberhaar, den prallen marineblauen Anzug und das verstummte Herz eines herzlosen Mannes.
Die Gruppe, die bei ihm gestanden hatte, löste sich erleichtert auf; zwei oder drei von ihnen strebten geradewegs zur Bar.
