Admet.

Die Eurige wäre denn für Kinder, die andere für ehrliche Leute, die schon ein bis zwei Weiber begraben haben. Daß Ihr nun mit Eurem Auditorio sympathisiert, ist nötig und billig.


Wieland.

Laßt mich, ihr seid widersinnige rohe Leute, mit denen ich nichts gemein habe.


Euripides.

Erst höre mich noch ein paar Worte.


Wieland.

Mach's kurz.


Euripides.

Keine fünf Briefe, aber Stoff dazu. Das, worauf Ihr Euch so viel zugute tut, ein Theaterstück so zu lenken und zu runden, daß es sich sehen lassen darf, ist ein Talent, ja, aber ein sehr geringes.


Wieland.

Ihr kennt die Mühe nicht, die's kostet.


Euripides.

Du hast ja genug davon vorgeprahlt, das alles, wenn man's beim Licht besieht, nichts ist als eine Fähigkeit, nach Sitten und Theaterkonventionen und nach und nach aufgeflickten Statuten Natur und Wahrheit zu verschneiden und einzugleichen.


Wieland.

Ihr werdet mich das nicht überreden.


Euripides.

So genieße deines Ruhms unter den Deinigen und laß uns in Ruh.


Admet.

Begib dir zur Gelassenheit, Euripides! Die Stellen, an denen er deiner spottet, sind so viel Flecken, mit denen er sein eigen Gewand beschmitzt. Wär er klug und er könnte sie und die Noten zum Schakespear mit Blut abkaufen, er würde es tun. So stellt er sich dar und bekennt: Da hab ich nichts gefühlt.


Euripides.

Nichts gefühlt bei meinem Prolog, der ein Meisterstück ist. Ich darf wohl von meiner Arbeit so reden, tust du's ja. Du fühlst nichts, da du in den gastoffnen Hof Admetens trittst?



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