
»Brauchst du etwas Süßes?«, fragte er.
Ich nickte. Er zog ein Sahnebonbon aus der Tasche und wickelte es aus seinem Papier. Ich machte den Mund auf, und er legte es mir auf die Zunge. Goldener Butterschmelz.
»Ich dachte, er wäre Ihr Bruder!«, sagte Kate Joyce und wies mit dem Kinn auf Tolliver. Obwohl sie erst Ende zwanzig war, schien sie deutlich mehr Lebenserfahrung zu besitzen. Ob das wohl eine Folge davon war, als Kind reicher, aber arbeitsamer Eltern in Texas aufzuwachsen? Oder war das Leben der Joyces aus anderen Gründen anstrengend?
»Das ist er auch«, sagte ich.
»Er wirkt aber eher wie Ihr Freund.« Drexell kicherte.
»Ich bin ihr Stiefbruder und ihr Freund, Drex«, sagte Tolliver liebenswürdig. »Gut, wir fahren dann wieder. Schön, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten.« Er nickte ihnen zu. Tolliver ist etwa 1,80 Meter groß und dünn. Aber er hat ziemlich breite Schultern.
Ich liebe ihn mehr als alles auf der Welt.
Das Rauschen der Dusche weckte mich. Wir sehen dermaßen viele Motelzimmer von innen, dass ich manchmal mehrere Sekunden brauche, bis mir klar wird, wo ich gerade bin. Das war wieder so ein Morgen.
Texas. Nachdem wir die Joyces verlassen hatten, waren wir fast den ganzen Nachmittag unterwegs gewesen, um dieses unweit der Autobahn gelegene Motel in Garland bei Dallas zu erreichen. Doch diesmal handelte es sich nicht um eine Geschäfts-, sondern um eine Privatreise.
Als ich die Augen öffnete, wusste ich, dass ich zu viel über unsere schlimme Vergangenheit nachdachte. Jedes Mal, wenn wir meine Tante und ihren Mann in der Nähe von Dallas besuchen, kommen die schlimmen Erinnerungen wieder hoch.
