»Hank und ich bekommen ein Baby«, sagte Iona. »Die Mädchen werden einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester bekommen.«

Nachdem ich mich gerade noch beherrschen konnte, nicht mit einem »Was, nach so viel Jahren?!« herauszuplatzen, rang ich mir ein »Oh, das sind ja tolle Neuigkeiten!« ab. »Freut ihr euch schon, Mädels?«

Tollivers Hand fand meine unter dem Tisch und drückte sie.

Wir hatten uns nie Gedanken darüber gemacht, dass Iona und Hank eigene Kinder haben könnten. Und ehrlich gesagt hatte ich auch nie groß über ihre Kinderlosigkeit nachgedacht. Ich hatte sie eigentlich ausschließlich als Störenfriede betrachtet, die uns im Weg standen, wenn wir unsere Schwestern besuchen wollten. Andererseits konnten wir froh sein, dass sie sich Tag für Tag um diese beiden kleinen Mädchen kümmerten, die nicht gerade einfach waren.

In einem Moment seltener Klarheit erkannte ich das und begriff, dass wir uns nicht in Ionas und Hanks Beziehung zu den Mädchen einmischen durften. Ich musterte Mariellas Gesicht und sah ihre Verunsicherung. Weder sie noch Gracie konnten jetzt weitere Probleme gebrauchen. Die Mädchen versuchten, sich auf das Baby zu freuen, waren aber erst einmal erschüttert.

Ich konnte sie gut verstehen.



2

Im Texas Roadhouse hatten wir uns schon für einen Tisch eintragen lassen, als Mark kam. Mark sieht aus wie Tollivers Bruder: Beide haben dieselben Wangenknochen, dasselbe Kinn und dieselben braunen Augen. Aber Mark ist kleiner und dicker und (was ich allerdings nie laut gesagt habe) längst nicht so intelligent wie Tolliver.

Ich habe so viele gute Erinnerungen an Mark, dass ich ihn für immer in mein Herz geschlossen habe. Mark tat, was er konnte, um uns vor unseren Eltern zu beschützen. Nicht, dass unsere Eltern uns bewusst wehtun wollten, aber sie waren nun mal drogensüchtig. Drogensüchtige vergessen, dass sie Eltern sind. Sie vergessen, dass sie verheiratet sind. Sie sind nur noch süchtig.



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