»Wahnsinn! Darf ich dann Brautjungfer sein?«, fragte Mariella. »Meine Freundin Brianna war Brautjungfer auf der Hochzeit ihrer Schwester. Darf ich ein langes Kleid tragen? Und mir die Haare machen lassen? Briannas Mutter hat ihr erlaubt, Lippenstift zu tragen. Darf ich Lippenstift tragen, Mom?«

»Wahrscheinlich wird es gar keine große Hochzeit geben, Mariella«, sagte ich, denn das würde ich ganz bestimmt nicht zulassen. »Wahrscheinlich gehen wir nur zu einem Friedensrichter. Wir werden also nicht kirchlich heiraten, und ich werde kein langes weißes Kleid tragen.«

»Aber ganz unabhängig davon, wie wir heiraten werden: Du darfst dabei sein, und du kannst anziehen, was du willst«, sagte Tolliver.

»Um Himmels willen!«, sagte Iona plötzlich angewidert. »Ihr beide dürft nicht heiraten! Und wenn ihr das tut, obwohl es Gott verboten hat, werden Mariella und Gracie bestimmt nicht dabei sein!«

»Warum nicht?«, fragte Tolliver mit drohendem Unterton. »Sie sind unsere Familie.«

»Das wäre einfach unpassend«, sagte Hank ernst, womit er unsere Beziehung ein für allemal verurteilte. »Ihr beide seid viel zu eng miteinander aufgewachsen.«

»Wir sind nicht blutsverwandt«, sagte ich. »Und wenn wir heiraten wollen, tun wir das auch.« In dem Moment wurde mir bewusst, dass ich mich mehr in eine Diskussion hatte verwickeln lassen, als mir lieb war. Tolliver strahlte mich an. Ich schloss die Augen.

Tolliver hatte doch tatsächlich um meine Hand angehalten, und ich hatte Ja gesagt.

»Nun«, sagte Iona und zog eine für sie typische Schnute. »Auch wir haben Neuigkeiten.«

»Und zwar?« Ich wollte Interesse bekunden. Ich wollte die unangenehme Atmosphäre vertreiben, die meine Schwestern so unglücklich gemacht hatte. Ich zwang mich, meine Tante anzulächeln und so etwas wie freudige Erwartung zu zeigen.



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