
Ich tat wochenlang alles und noch ein bisschen mehr dazu. (Auch da erspare ich Ihnen besser Details.) Und sie war wirklich knapp daran, mir und somit uns beiden eine allerletzte Chance zu geben: Weihnachten in Paris. Ich hatte vor - lachen Sie mich ruhig aus, Emmi - , ihr dort einen Heiratsantrag zu machen, ich Vollidiot. Sie wartete nur noch den Rückflug des »Spaniers« ab, um ihm die Wahrheit über mich und Paris zu sagen, das war sie ihm schuldig, meinte sie. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, was heißt »mulmig«, ich hatte einen spanischen Airbus im Bauch, wenn ich an Marlene und diesen Piloten dachte. Das war am 19. Dezember. Am Nachmittag erhielt ich - nein, nicht einmal einen Anruf, ich erhielt eine katastrophale E-Mail von ihr: »Leo, es geht nicht, ich kann nicht, Paris wäre nur wieder eine neue Lüge. Bitte verzeih mir!« Oder so ähnlich. (Nein, nicht so ähnlich, sondern wortwörtlich.) Ich schrieb sofort zurück: »Marlene, ich will dich heiraten! Ich bin fest entschlossen. Ich will immer mit dir sein. Ich weiß jetzt, dass ich es kann. Wir gehören zusammen. Vertraue mir ein letztes Mal. Bitte lass uns in Paris über alles reden. Bitte sag ja zu Paris.« So, und dann wartete ich auf eine Antwort, eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden. Dazwischen unterhielt ich mich alle zwanzig Minuten mit ihrer taubstummen Mobilbox, las alte, im PC gespeicherte Liebesbriefe, schaute mir unsere digitalen Liebesfotos an, die allesamt während unserer unzähligen Versöhnungsreisen entstanden waren. Und dann starrte ich wieder wie besessen auf den Bildschirm. Von diesem kurzen, herzlosen Klanggeräusch, wenn eine neue Meldung einlangte, von diesem kleinen lächerlichen Briefchen in der Symbolleiste hing mein Leben mit Marlene, also aus damaliger Sicht mein Weiterleben ab.