
Zwei Stunden später
RE:
Lieber Leo, das ist eine besonders gute Geschichte. Vor allem die Pointe hat mich begeistert. Ich bin beinahe stolz, dass ich da so schicksalhaft hineinspiele. Ihnen ist hoffentlich klar, dass Sie mir, Ihrer »virtuellen Fantasiegestalt«, Ihrem »illusionistischen Phantombild«, gerade Außergewöhnliches von sich verraten haben. Das war jetzt so richtig »Privatleben Marke Leo, Sprachpsychologe«. Ich bin heute schon zu müde, etwas Brauchbares dazu zu sagen. Aber morgen kriegen Sie von mir eine anständige Analyse, wenn Sie erlauben. So mit 1.) 2.) 3.) und so weiter. Schlafen Sie gut, und träumen Sie sinnvoll. Also nicht von Marlene, würde ich Ihnen empfehlen. Emmi.
Am nächsten Tag
Betreff: Marlene
Guten Morgen, Leo. Darf ich Sie ein bisschen härter anfassen?
1.) Sie sind also so ein Mann, der sich für eine Frau nur am Anfang und am Ende interessieren kann: wenn er sie kriegen will und knapp bevor sie ihm endgültig abhanden kommt. Die Zeit dazwischen - auch Zusammensein genannt - ist Ihnen zu langweilig oder zu anstrengend, oder beides. Stimmt's?
2.) Sie sind zwar (diesmal) wie durch ein Wunder unverheiratet geblieben, aber um einen spanischen Piloten aus dem Bett Ihrer So-gut-wie-Ex zu bekommen, würden Sie schon einmal locker vor den Traualtar treten. Das zeugt von eher geringer Hochachtung gegenüber dem Ehegelübde. Stimmt's?
