«Aber er macht Karriere», sagte Lydia. «Seine Wähler lieben ihn. Ich glaube, dass Magdalene ihm bei seiner politischen Arbeit ziemlich viel hilft.»

«Ich mag sie nicht sonderlich», murmelte Alfred. «Sie sieht sehr gut aus, aber manchmal werde ich das Gefühl nicht los, sie sei wie eine jener Birnen mit der rosigen Haut und dem flaumigen Schimmer…» Er brach ab.

«Die innen dann faul sind?», beendete Lydia seinen Satz fragend. «Komisch, dass du das sagst. Du bist doch sonst so umgänglich und sagst nie etwas Abfälliges über jemanden. Manchmal regt mich das förmlich auf, weil mich dünkt, du seist nicht – wie soll ich mich ausdrücken –, nicht misstrauisch, nicht weltgewandt genug!»

Ihr Gatte lächelte. «Die Welt, glaube ich, ist immer so, wie man sie selber sieht.»

«Nein», antwortete Lydia scharf. «Das Böse lebt nicht nur in unseren Gedanken. Das Böse existiert. Du scheinst das nicht zu wissen – ich weiß es! Ich fühle es, habe es immer gefühlt – in diesem Haus…» Sie biss sich auf die Lippen und wandte sich ab.

Doch ehe Alfred etwas antworten konnte, hob sie warnend die Hand und sah über seine Schulter. Hinter Alfred stand ein dunkler Mann mit glatt rasiertem Gesicht in ehrerbietiger Haltung.

«Was gibt’s, Horbury?», fragte Lydia kurz.

Horbury sprach sehr leise, so dass es eher ein Murmeln war.

«Mr Lee hat mir aufgetragen, Ihnen auszurichten, Madame, dass noch zwei weitere Gäste zum Weihnachtsfest kommen, und Sie zu bitten, Zimmer für sie bereitmachen zu lassen.»

«Zwei weitere Gäste?»

«Jawohl, Madame – ein Herr und eine junge Dame.»

«Eine junge Dame?», fragte Alfred verwundert.

«So hat es mir Mr Lee aufgetragen», bestätigte Horbury.

«Ich gehe zu ihm hinauf», sagte Lydia schnell.

Doch eine kleine, kaum wahrnehmbare Bewegung von Horbury, die Andeutung eines Schritts nach vorn, hielt sie auf.



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