
«Verzeihung, Madame, aber Mr Lee hält gerade sein Nachmittagsschläfchen. Er wünschte ausdrücklich, nicht gestört zu werden.»
«Ach so», fiel Alfred ein, «dann werden wir ihn selbstverständlich nicht wecken.»
«Danke, Sir.» Horbury ging hinaus.
«Wie ich den Kerl hasse!», brach Lydia aus. «Schleicht durch das Haus wie eine Katze. Nie hört man ihn kommen oder gehen.»
«Mir ist er auch nicht sympathisch, aber er versteht seinen Beruf. Es ist gar nicht so leicht, einen guten Diener und Krankenpfleger zu finden. Und Vater hat ihn gern, das ist die Hauptsache.»
«Das ist die Hauptsache, sehr richtig! Aber wer kann die junge Dame sein, Alfred?»
«Keine Ahnung. Ich kann es mir wirklich nicht vorstellen.»
Eine Weile blickten sich die beiden schweigend an. Dann kräuselten sich Lydias ausdrucksvolle Lippen ein wenig. «Weißt du, was ich glaube, Alfred? Vermutlich hat sich dein Vater in letzter Zeit ziemlich gelangweilt, und nun plant er irgendeine Weihnachtsüberraschung für sich.»
«Indem er zwei Fremde zu einem Familienfest einlädt?»
«Nun, die Einzelheiten kenne ich nicht, aber ich habe das Gefühl, dass dein Vater Abwechslung sucht.»
«Hoffentlich macht ihm die Sache dann auch wirklich Spaß», sagte Alfred ernst. «Armer alter Mann, und erst noch invalide - nach dem abenteuerlichen Leben, das er früher geführt hat.»
«Nach dem abenteuerlichen Leben, das er früher geführt hat», wiederholte Lydia langsam. Die Pause, die sie vor dem Eigenschaftswort machte, gab dem Satz eine besondere, düstere Bedeutung. Alfred schien das zu spüren, denn er errötete und sah unglücklich aus.
Sie rief plötzlich unbeherrscht: «Wie er jemals einen Sohn wie dich haben konnte, ist mir schleierhaft! Ihr seid zwei vollkommen entgegengesetzte Pole! Und dabei fasziniert er dich, du verehrst ihn!»
Alfred war nun wirklich verärgert. «Du gehst ein bisschen zu weit, Lydia. Es ist natürlich, dass ein Sohn seinen Vater liebt. Unnatürlich wäre nur, wenn er das nicht täte.»
