«Das kommt ganz darauf an, wie dir zumute ist, David.»

Hilda war eine stattliche Frau, nicht schön, aber irgendwie anziehend. Sie erinnerte an die Frauenbilder niederländischer Meister. Ihre Stimme war warm und voll. Sie wirkte kräftig, ruhig und verfügte über jene vitale Sicherheit, die schwache Menschen unweigerlich anzieht. Eine etwas zu dicke, nicht große Frau mittleren Alters, nicht intelligent, nicht charmant, aber dennoch jemand, den man unmöglich übersehen konnte. Hilda Lee hatte Kraft!

David stand auf und begann im Zimmer auf und ab zu gehen. Sein Haar wies noch keinen grauen Schimmer auf, und sein Gesicht wirkte unwahrscheinlich knabenhaft.

«Du weißt, wie mir zumute ist, Hilda, du musst es wissen», sagte er ernst.

«Ich bin nicht so sicher.»

«Aber ich habe es dir doch oft und oft gesagt. Wie ich alles hasse – dieses Haus und die Landschaft und alles. Es bringt nur das alte Elend wieder zurück. Ich war keine Stunde glücklich dort, keine Einzige. Wenn ich daran denke – wie sehr sie litt – meine Mutter.»

Seine Frau nickte ihm beruhigend zu.

«Sie war so lieb, Hilda, und so geduldig. Wie sie dalag, oft mit großen Schmerzen, immer geduldig, immer ergeben. Und wenn ich an meinen Vater denke.» Sein Gesicht verdunkelte sich. «Wie elend er sie machte, wie er sie demütigte, indem er mit seinen Liebesabenteuern prahlte, wie er sie dauernd betrog und es nicht einmal zu verbergen suchte!»

«Sie hätte es nicht auf sich nehmen, sie hätte ihn verlassen sollen», sagte Hilda.

«Dazu war sie zu gut», wies er sie mit leisem Tadel zurecht. «Sie hielt es für ihre Pflicht, auszuharren. Außerdem – dort war ihr Zuhause. Wohin hätte sie gehen sollen?»

«Sie hätte sich ein eigenes Leben aufbauen können.»

«Zu jener Zeit? Ausgeschlossen!», erwiderte er gereizt. «Das verstehst du nicht. Frauen benahmen sich damals anders. Sie nahmen ihre Last auf sich, sie ertrugen vieles mit Geduld. Und dann hatte sie auf uns Rücksicht zu nehmen. Wenn sie sich von Vater hätte scheiden lassen, was wäre geschehen? Vermutlich hätte er sofort wieder geheiratet, und daraus wäre vielleicht eine zweite Familie entstanden. Damit wären unsere Interessen wahrscheinlich aufs Spiel gesetzt worden, und auch das musste Mutter damals in Erwägung ziehen.»



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