
«Mrs George Lee ist am Telefon, madam. Sie lässt fragen, ob es Ihnen passen würde, wenn sie und Mr George mit dem Fünf-Uhr-zwanzig-Zug kämen.»
«Ja, sagen Sie ihr, das sei uns sehr recht.»
Der Butler verschwand. Lydia sah ihm mit einem fast liebevollen Blick nach. «Guter alter Tressilian. Ich weiß nicht, was wir ohne ihn täten.»
«Ja», stimmte ihr Alfred bei, «er ist noch einer von der alten Schule. Vierzig Jahre ist er nun schon bei uns, und ich glaube, er liebt uns alle, jeden Einzelnen.»
Lydia nickte. «Ich glaube, er würde sich um Ehre und Seligkeit lügen, wenn es darum ginge, jemanden der Familie zu schützen.»
«Das würde er», sagte Alfred leise, «ich glaube, das würde er wirklich.»
Lydia ebnete ihren Kieselsteinstrand und sagte dann: «So, jetzt ist es bereit.»
«Bereit? Wofür?», fragte Alfred erstaunt.
«Für Weihnachten, du Dummer», lachte sie. «Für unser gefühlvolles Familienfest.»
David las den Brief. Darauf ballte er erst das Blatt Papier zu einem Klumpen zusammen und warf es weg, dann holte er den Knäuel wieder, glättete den Bogen sorgfältig und las ihn noch einmal durch.
Seine Frau, Hilda, sah ihm wortlos zu. Sie bemerkte den zuckenden Muskel (oder war es ein Nerv?) an seiner Schläfe, das leise Zittern der langen, ausdrucksvollen Hände und die nervöse Angespanntheit seines Körpers. Als er wieder einmal die Strähne blonden Haars aus der Stirn strich und zu ihr hinübersah, war sie ruhig und gefasst.
«Hilda, was sollen wir tun?»
Hilda zögerte lange, ehe sie antwortete. Sie hatte den Hilferuf vernommen, und sie wusste, wie abhängig David von ihr war, immer schon, seit dem Tag ihrer Hochzeit, sie wusste, dass sie seinen letzten Entschluss maßgeblich beeinflussen konnte. Aber gerade deshalb scheute sie davor zurück, irgendetwas Endgültiges zu sagen.
Ihre Stimme klang weich und zärtlich, als ob sie zu einem Kind spräche.
