
Nicht, dass diese Tatsache sie sonderlich erregt hätte. Sie kam aus einem Land, wo Männer Frauen unverhohlen bewundernd betrachten dürfen. Sie fragte sich, ob er wohl Engländer sei.
Nein, dazu ist er viel zu lebendig, zu real, entschied sie. Andererseits ist er fast blond. Wahrscheinlich ein Amerikaner. Tatsächlich erinnerte er sie an einige der Helden aus Wildwestfilmen.
Ein Kellner schob sich durch den Seitengang.
«Erstes Mittagessen! Bitte Platz zu nehmen zum ersten Mittagessen!»
Die sieben Mitreisenden aus Pilars Coupe, die alle Karten für das erste Mittagessen hatten, erhoben sich wie ein Mann, und plötzlich war das Abteil leer und still.
Als Erstes schob Pilar das Fenster zu, das von einer kriegerisch aussehenden grauhaarigen Dame einige Zentimeter geöffnet worden war. Dann kuschelte sie sich behaglich in die Fensterecke und ließ die nördlichen Vorstädte Londons an sich vorbeiziehen. Als die Tür zu ihrem Abteil aufging, brauchte sie nicht einmal den Kopf zu wenden, um zu wissen, dass nun der Mann aus dem Korridor hereingekommen war, um sie anzusprechen.
Sie fuhr fort, gedankenverloren aus dem Fenster zu sehen.
«Soll ich es vielleicht herunterlassen?», fragte Stephen.
Pilar antwortete mit damenhafter Zurückhaltung: «Im Gegenteil. Ich habe es eben erst zugemacht.»
Sie sprach fließend Englisch, aber mit einem leichten Akzent.
Während des Schweigens, das nun eintrat, dachte Stephen: eine süße Stimme. Sonne liegt darin, die Wärme einer Sommernacht.
Pilar dachte: Ich mag seine Stimme. Eine kraftvolle, schöne Stimme. Er sieht überhaupt gut aus – außerordentlich gut sogar.
«Der Zug ist ziemlich überfüllt», sagte Stephen.
«Allerdings. Die Leute fahren aus London fort, wahrscheinlich weil es dort so schwarz ist.»
