Lydia wollte auffahren, beherrschte sich aber. «Musst du ihm denn immer nachgeben?», fragte sie.

«Er ist ein sehr alter Mann, meine Liebe…»

«Ja, ich weiß! Ich weiß!»

«Er nimmt es für selbstverständlich, dass alles nach seinem Willen geht.»

«Begreiflich! Es war ja immer so», erwiderte Lydia trocken. «Aber früher oder später wirst du doch einmal Widerstand leisten müssen, Alfred.»

«Was willst du damit sagen, Lydia?»

Sie zuckte die zarten Schultern und versuchte ihre Worte sehr sorgfältig zu wählen. «Nun, dein Vater hat manchmal recht tyrannische Anwandlungen. Und je älter er wird, desto herrschsüchtiger wird er. Wo soll das enden? Schon jetzt schreibt er uns unser Leben vor. Wir können nie von uns aus etwas beschließen, und wenn wir es trotzdem einmal tun, regt er sich auf.»

«Vater ist eben gewohnt, immer der Erste zu sein. Er ist sehr gut zu uns, vergiss das nicht.» Alfred sagte dies mit harter Unnachgiebigkeit.

«Finanziell, meinst du?», fragte Lydia ruhig.

«Ja. Er selber ist ziemlich anspruchslos; aber noch nie hat er uns das Geld vorgeworfen, das wir ausgeben. Du darfst an Kleidern oder Einrichtungen für dieses Haus anschaffen, was du nur willst, und die Rechnungen werden anstandslos bezahlt. Erst letzte Woche hat er uns den neuen Wagen gekauft.»

«Ich gebe zu, dass er in Gelddingen sehr großzügig ist. Aber er erwartet, dass wir uns wie seine Sklaven benehmen.»

«Sklaven?»

«Jawohl, so sagte ich. Du bist sein Sklave, Alfred. Wenn wir eine Reise planen und dein Vater plötzlich wünscht, dass wir hier bleiben sollen, dann sagst du alles ab und bleibst. Wenn ihn aber zufällig die Laune packt, uns wegzuschicken, dann gehen wir. Es gibt für uns kein eigenes Leben, keine Unabhängigkeit.»

«Bitte, Lydia, red nicht so!», sagte Alfred verzweifelt. «Es ist wirklich undankbar. Mein Vater hat alles für uns getan.»



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