
Für Liccy
Eine Bemerkung über Hexen
In Märchen haben Hexen immer alberne schwarze Hüte auf, tragen schwarze Umhänge und reiten auf dem Besen.
Diese Geschichte ist jedoch kein Märchen. Sie handelt von ECHTEN HEXEN und das Wichtigste, was ihr über echte hexen wissen müsst, ist das Folgende.
Passt also gut auf und merkt euch alles, was ich euch jetzt sagen werde.
ECHTE HEXEN tragen ganz normale Kleider und sehen auch wie ganz normale Frauen aus. Sie wohnen in normalen Häusern, und sie üben ganz normale berufe aus.
Deshalb ist es so schwer, sie zu erwischen.
Eine ECHTE HEXE hasst Kinder so glühend, dass es zischt, und dieser Hass ist verzehrender und verheerender als alle anderen Gefühle, die ihr euch selbst in euren ärgsten Träumen vorstellen könntet.
Eine echte hexe schmiedet Tag und Nacht die schlimmsten Pläne, um alle Kinder aus ihrer Umgebung zu vertreiben. Eins nach dem anderen zu erledigen, ist ihr die innigste Genugtuung. Das ist ohnehin das Einzige, worüber sie den ganzen Tag lang nachdenkt. Selbst wenn sie als Kassiererin in einem Supermarkt arbeitet oder für einen Geschäftsmann Briefe tippt oder in einem tollen Schlitten durch die Gegend kurvt (und genau solche Sachen wären vollkommen normal für sie), so tickt es ununterbrochen in ihrem Gehirnkasten, Ränke werden gesponnen und Fallen gestellt und Komplotte geschmiedet, und er blubbert und siedet und kocht ihr die mörderischsten blutrünstigsten Gedanken aus.
«Welches Kind», so fragt sie sich unablässig tagaus und tagein, «welches Kind genau soll ich mir als nächstes auswählen, um es zu zermalmen?»
Eine echte hexe kniet sich nämlich mit der gleichen Wonne in das Kinderzermalmen wie ihr in eine Portion Erdbeeren mit Schlagsahne.
Sie erledigt im Schnitt ein Kind pro Woche. Wenn sie das nicht schafft, kriegt sie schlechte Laune.
