Ein Kind pro Woche, das bedeutet zweiundfünfzig Kinder pro Jahr. «Schnapp es dir und schlag es ein, dann wird das Kind verschwunden sein.» Das ist das Motto aller Hexen.

Sie gehen immer sehr sorgfältig vor. Zuerst einmal wird das Opfer ausgewählt. Dann schleicht sich die Hexe an das Unglückskind wie ein Jäger heran, der einem kleinen Vogel im Walde auflauert. Lautlos setzt sie ihre Füße auf. Geräuschlos bewegt sie ihre Glieder. Näher kommt sie, immer näher. Und dann zum Schluss, wenn alles bereit ist, schwups! packt sie zu. Funken sprühen. Flammen tanzen. Öl zischelt. Ratten quieken. Haut schrumpelt. Und das Kind ist verschwunden.

Ihr müsst nämlich wissen: Eine Hexe schlägt Kindern nicht den Schädel ein. Sie bohrt ihnen auch kein Messer in den Leib und erschießt sie nicht mit Pistolen. Leute, die so etwas machen, werden von der Polizei verhaftet.

Eine Hexe wird niemals erwischt. Ihr dürft nicht vergessen, dass sie bis in die Fingerspitzen voller Zauber steckt und dass ihr die Teufeleien nur so im Blute tanzen. Sie kann Wackersteine wie Frösche in der Gegend herumhüpfen und Flammen über das Wasser züngeln lassen.

Diese Zauberkräfte sind wirklich fürchterlich.

Glücklicherweise gibt es heutzutage nicht mehr allzu viele echte hexen auf der Welt. Sie sind aber immer noch zahlreich genug, um einen nervös zu machen. In England gibt es höchstwahrscheinlich so um die hundert. Manche Länder haben mehr aufzuweisen, andere sehr viel weniger. Völlig hexenfrei ist kein einziges Land auf der Erde.

Eine Hexe ist stets eine Frau.

Ich möchte gewiss nicht schlecht von Frauen sprechen. Die meisten Frauen sind entzückend. Es bleibt jedoch die Tatsache bestehen, dass sämtliche Hexen weiblich sind. Männliche Hexen gibt es einfach nicht.



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