Diese Anthologie spiegelt die gleiche Auffassung: zu schreiben, was man schreiben will, und es gut zu schreiben. Einige der Autorinnen haben es getan, sind gestorben und haben eine gewisse Unsterblichkeit erreicht.

Die Übrigen bleiben auf der Erde, schreiben noch und warten ab, wie die Zeit mit ihnen verfahren wird. Allen gemeinsam ist das Verlangen, die Menschen in einer Grenzsituation auszuloten. Diese Grenzsituation entspricht dem begangenen Verbrechen. Wie die Figuren mit der Situation umgehen, davon handelt die Geschichte.

Geschworene von ihresgleichen

von SUSAN GLASPELL

Susan Keating Glaspell (1876–1948) wurde in Davenport/Iowa geboren, studierte an der Drake University und der University of Chicago und arbeitete zunächst als Journalistin, bevor sie sich 1901 ganz der Schriftstellerei widmete. Ihr erster Roman The Glory of the Conquered erschien 1909, 1912 dann ihre erste Sammlung von Erzählungen mit dem Titel Lifted Masks, den größten Ruhm erlangte sie jedoch als Dramatikerin, gipfelnd im umstrittenen Pulitzer-Preis für Alison’s House (1930), ein von Emily Dickinsons Leben inspiriertes Stück. Von 1914 bis 1921 gehörte sie den Provincetown Players an, einer avantgardistischen, von ihrem idealistischen Ehemann George Cram Cook gegründeten Theatertruppe. Zu deren Mitgliedern zählten auch Edna St. Vincent Millay, Djuna Barnes, Edna Ferber, John Reed und ein Autor, der zum bedeutendsten amerikanischen Dramatiker jener Zeit werden sollte — Eugene O’Neill.

Nach einigen frühen Erzählungen — regional gefärbten populären Liebesgeschichten — entwickelte Glaspell unter dem Einfluss ihres Ehemanns und Floyd Dells einen naturalistischeren Ansatz und sozialistische Ansichten. Die Rebellion der Frauen gegen die Dominanz einfältiger Männer war ihr Dauerthema.



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