
Ungewollt verglich Ingrey sich selbst mit dieser Aufzählung. Zumindest von diesen Makeln traf keiner auf ihn zu, hoffte er jedenfalls. Obwohl man diese Liste gewiss noch erweitern konnte. Befleckt, kam ihm in den Sinn.
»Erst als die anderen mich verlassen hatten, erkannte ich, wie verrückt er wirklich war. Und da war es zu spät.«
»Was ist geschehen?«
»Bei Anbruch der Nacht führten sie mich zu seinen Gemächern und stießen mich hinein. Er wartete schon auf mich. Boleso trug ein locker fallendes Gewand, doch darunter war er nackt. Sein Körper war überall mit Zeichen bemalt, in Waid, Krapprot und Safrangelb. Alte Symbole, wie man sie manchmal noch auf uralten hölzernen Fundamenten eingeschnitzt sieht, oder wie man sie bei vergessenen Heiligtümern im Wald findet. Der Leopard war in einer Ecke festgebunden und betäubt.
Boleso sagte … es zeigte sich … es schien so, als hätte er sich doch nicht in mich verliebt. Sein Antrieb war nicht einmal Begierde. Er brauchte einfach nur eine Jungfrau für das Ritual, das er entdeckt oder selbst ersonnen hatte. Ich bin mir nicht sicher, denn er wirkte sehr durcheinander. Und ich war die einzig verfügbare Jungfrau, da die beiden anderen Hofdamen seiner Schwester verheiratet oder verwitwet waren.
Ich wollte ihn davon abbringen. Es sei Ketzerei, hielt ich Boleso vor, eine abscheuliche Sünde und gegen die Gesetze seines eigenen Vaters. Ich würde fortlaufen und allen davon erzählen. Er antwortete, dass er dann die Hunde auf mich hetzen würde und sie mich in Stücke rissen, wie sie es mit dem Schwein getan hatten. Ich drohte, zum Geistlichen des Dorfes zu gehen. Er meinte, dieser Mann wäre bloß ein Akolyth und außerdem ein Feigling. Und dann drohte er, jeden umzubringen, der mich aufnähme. Sogar den Akolythen. Er hatte keine Angst vor der Kirche; sie sei praktisch das Eigentum der Hirschendorns, sagte er, und er könne jederzeit für ein Almosen einen Geistlichen kaufen.
