
»Hat Boleso Euch den Hof gemacht? «
Sie presste die Lippen zusammen. »Ich habe jedenfalls nichts dergleichen bemerkt. Er war bei allen Hofdamen seiner Schwester gleichermaßen unbeliebt. Ich wusste nichts von seiner … Aufmerksamkeit, wenn das der richtige Ausdruck ist, bis zu dem Morgen, an dem wir aufbrechen wollten.«
Sie schluckte erneut. »Meine Herrin, Prinzessin Fara, sagte mir dann, dass ich bleiben sollte. Es wäre gewiss nicht mein Herzenswunsch, aber auf lange Sicht sicher nicht mein Schaden. Man würde später einen anderen Ehemann für mich finden. Ich flehte sie an, mich nicht hier zurückzulassen. Sie sah mir nicht einmal in die Augen. Sie meinte, es sei kein schlechter Handel — er wäre sogar besser als viele andere, und ich solle doch an meine Zukunft denken. Dies Opfer wäre vergleichbar mit der Treue, die ein Mann seinem Fürsten schulde, nur eben auf eine Weise, wie nur Frauen sie ihm leisten könnten. Ich antwortete, ich könnte mir nicht vorstellen, dass viele Männer so etwas … nun ja, ich fürchte, ich habe etwas sehr Ungehobeltes gesagt.
Danach wollte Fara nicht mehr mit mir reden. Sie ritten davon und ließen mich zurück. Ich wollte nicht ihre Stiefel umklammern und sie anbetteln, aus Furcht, die Männer des Prinzen könnten sich über mich lustig machen.« Sie verschränkte die Arme vor der Brust, als müsse sie ihre Würde wie ein zerfetztes Schultertuch um sich festhalten.
»Ich redete mir ein, dass sie vielleicht Recht hatte. Dass es nicht schlimmer war wie jedes andere Schicksal. Boleso war weder hässlich noch entstellt oder alt. Oder krank.«
