
»Ihr habt Euch umgedreht«, sagte Ingrey, »und den Griff des Hammers unter Eurer Hand gespürt.«
Die haselbraunen Augen wurden größer. »Woher wisst Ihr das?«
»Ich habe das Gemach gesehen.«
»Oh.« Sie befeuchtete sich die Lippen. »Ich habe zugeschlagen. Boleso sprang auf mich oder … oder taumelte in meine Richtung, und ich traf ihn erneut. Er stürzte und stand nicht wieder auf. Aber er war noch nicht tot. Sein Körper zuckte noch, als ich in seiner Robe nach dem Schlüssel tastete. Ich wurde deshalb beinahe ohnmächtig, kippte um, fing mich aber irgendwie mit Händen und Knien am Boden ab, und der Raum wurde dunkel. Ich … es … Schließlich gelang es mir, die Tür aufzuschließen, und ich rief Bolesos Männer herein.«
»Wie haben sie reagiert? Waren sie wütend?«
»Eher verängstigt, würde ich sagen. Sie stritten lange miteinander und beschuldigten sich gegenseitig, ebenso wie mich und jeden anderen, der ihnen einfiel. Sogar Boleso. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis sie beschlossen, mich einzusperren und einen Boten fortzuschicken.«
»Und was habt Ihr gemacht?«
»Ich saß die meiste Zeit auf dem Boden, denn es ging mir nicht gut. Sie haben mir diese dummen Fragen gestellt. Hatte ich ihn getötet? Was dachten sie denn? Glaubten sie, er hätte sich selbst den Hammer auf den Kopf gehauen? Ich war froh, als sie mich endlich in diese Kammer sperrten. Ich glaube, nicht einmal Ulkra ist aufgefallen, dass ich die Tür von der Innenseite aus verriegeln konnte.«
So ruhig er konnte, fragte Ingrey: »Konnte Boleso seine Vergewaltigung vollenden?«
Sie hob den Kopf. Ihre Augen blitzten. »Nein.«
Aus ihrer Stimme sprach die Wahrheit und eine Art von unsicherem Triumph. In der größten Not, von allen verlassen, die sie beschützen sollten, hatte sie herausgefunden, dass sie sich selbst nicht aufgeben musste. Eine nachhaltige Lektion. Eine gefährliche Lektion.
