
Auf die gleiche, betont unbeteiligte Weise fragte er: »Führte er das Ritual zu Ende?«
Diesmal zögerte sie. »Ich weiß nicht. Ich bin mir nicht sicher … was er erreichen wollte.« Sie blickte hinunter auf ihren Schoß. Ihre Hände waren krampfhaft umeinander geschlossen. »Was wird jetzt geschehen? Ritter Ulkra sagte, Ihr würdet mich in Gewahrsam nehmen und fortbringen. Wohin?«
»Ostheim.«
»Gut«, stieß sie mit unerwarteter Inbrunst hervor. »Der Tempel dort wird mir gewiss beistehen.«
»Ihr habt keine Angst wegen Eures Prozesses?«
»Prozess? Ich habe mich nur selbst verteidigt. Man hat mich verraten und diesem Schrecken ausgeliefert!«
»Einigen mächtigen Leuten«, stellte er in immer noch ruhigem Tonfall fest, »wird es vielleicht nicht gefallen, wenn Ihr in aller Öffentlichkeit solche Behauptungen aufstellt. Denkt nach. Zunächst einmal habt Ihr keinen Beweis für eine versuchte Vergewaltigung. Ein halbes Dutzend Männer können bezeugen, dass Ihr scheinbar bereitwillig zu Boleso gegangen seid.«
»Es war bereitwillig, in Anbetracht der anderen Möglichkeiten — einer Flucht in die Wälder, beispielsweise, um mich dort von wilden Tieren zerreißen zu lassen oder jeden, der mir helfen wollte, einem gewaltsamen Tod zu überantworten.« Sie starrte ihn an. »Glaubt Ihr mir etwa nicht?«
»O doch!« O doch. »Aber ich bin nicht Euer Richter.«
Sie runzelte die Stirn, und man sah einen schmalen Streifen, wo sie die Zähne gegen die blutleere Unterlippe drückte. Dann straffte sie sich wieder. »Selbst wenn es keine Zeugen für die versuchte Vergewaltigung gibt, so gibt es doch Zeugnis für das widerrechtliche Ritual. Alle haben den Leoparden gesehen. Sie haben die geheimnisvollen Zeichen auf dem Leib des Prinzen erblickt. Das sind keine bloßen Behauptungen, sondern greifbare Dinge.«
