Ingrey schlenderte durch das Gemach, betrachtete alles und blickte dann zu den Dachbalken empor. Ulkra, mit der einen Hand die andere umklammernd, wich ihm aus. Genau über dem Bett baumelte eine zerfranste rote Schnur. Ingrey stieg auf den Bettrahmen, zog das Gürtelmesser und reckte sich hinauf, um die Schnur abzuschneiden und in sein Wams zu stecken.

Er sprang hinunter und wandte sich dem besorgt abwartenden Ulkra zu. »Boleso soll in Ostheim beerdigt werden. Kümmert Euch darum, dass seine Wunden und der Leib gründlich gewaschen werden, und legt ihn für den Transport in Salz. Treibt einen Karren auf und ein Gespann — bei diesen schlammigen Straßen besser zwei Paar Pferde — mit einem fähigen Kutscher. Die Wache des Prinzen soll ihn begleiten. Ihre Unfähigkeit kann ihm nicht weiter schaden. Säubert das Gemach, bringt die Burg in Ordnung und ernennt einen Verwalter. Dann kommt mit den anderen Angehörigen des Haushalts und den Wertgegenständen nach.« Ingreys Blick schweifte durchs Zimmer. Hier gab es nichts weiter … »Verbrennt den Leopard. Zerstreut seine Asche.«

Ulkra schluckte heftig und nickte. »Wann wollt Ihr uns verlassen, Herr? Bleibt Ihr über Nacht?«

Sollten die Gefangene und er mit dem langsamen Leichenzug reisen oder sich lieber beeilen? Er wollte diesen Ort so schnell wie möglich verlassen; die Anspannung hier ließ seine Nackenmuskeln schmerzen. Doch der Herbst nahte, und das Tageslicht nahm stetig ab. Der Tag war bereits zur Hälfte verstrichen. »Ich muss zuerst mit der Gefangenen sprechen, ehe ich das entscheiden kann. Bringt mich zu ihr.«



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