
Am Ende, dachte Catherine, ging es ihm besser mit seinen wundervollen Träumen, die nie Wirklichkeit wurden, als ihrer Mutter, die sich fürchtete, überhaupt zu träumen.
Im April starb Catherines Mutter an einem Herzanfall. Es war Catherines erste Konfrontation mit dem Tod. Freunde und Nachbarn standen in der kleinen Wohnung herum, drückten ihr Beileid aus, mit der falschen geflüsterten Frömmigkeit, die das Unglück beschwört.
Der Tod hatte Catherines Mutter zu einer winzigen verwelkten Gestalt zusammenschrumpfen lassen, ohne Säfte oder Lebenskraft, oder vielleicht hatte das Leben ihr das schon angetan, dachte Catherine. Sie versuchte, Erinnerungen an ihre Mutter wachzurufen, an Ereignisse, die sie zusammen erlebt hatten, an Dinge, über die sie zusammen gelacht hatten, an Augenblicke, in denen ihre Herzen sich berührt hatten; aber immer wieder trat Catherines Vater vor ihr inneres Auge, lächelnd, eifrig und fröhlich. Es war, als wäre das Leben ihrer Mutter ein blasser Schatten, der vor dem Licht der Erinnerung entwich. Catherine starrte auf die wächserne Gestalt ihrer Mutter im Sarg, in einem einfachen schwarzen Kleid mit weißem Kragen, und dachte, was für ein vergeudetes Leben ist es gewesen. Und wozu alles ? Was Catherine schon vor Jahren empfunden hatte, kam wieder über sie, die Entschlossenheit, jemand zu werden, der Welt einen
Stempel aufzudrücken, so dass sie nicht in einem anonymen Grab enden würde und die Welt weder wüsste noch sich darum kümmerte, dass Catherine Alexander je gelebt hatte und gestorben und der Erde zurückgegeben worden war.
