
Auguste Lanchon war drei Tage lang seekrank und furchterfüllt gewesen. Seekrank, weil das Boot, das er in Marseille bestiegen hatte, in den Ausläufer eines Mistrals geraten war, und furchterfüllt, weil er Angst hatte, seine Frau könnte herausfinden, was er tat. Auguste Lanchon war in den Sechzigern, ein dicker, glatzköpfiger Mann mit kurzen Beinen und einem pockennarbigen Gesicht mit Schweinsaugen und dünnen Lippen, zwischen denen ständig der Stummel einer billigen Zigarre stak. Lanchon besaß ein Modegeschäft in Marseille und konnte es sich nicht leisten, sich wie reiche Leute einen richtigen Urlaub zu nehmen – das zumindest erklärte er dauernd seiner Frau. Natürlich war dies nicht eigentlich ein Urlaub, rief er sich ins Gedächtnis. Er musste seinen Liebling Noelle noch einmal sehen. In den Jahren, nachdem sie ihn verlassen hatte, hatte er ihre Laufbahn in den Klatschspalten der Zeitungen und Magazine begierig verfolgt. Als sie die Hauptrolle in ihrem ersten Stück spielte, war er mit der Bahn extra nach Paris gefahren, um sie zu sehen, aber Noelles blöde Sekretärin hatte ihn nicht vorgelassen. Später hatte er immer wieder Noelles Filme gesehen und hatte sich dabei an ihre Umarmungen erinnert. Gewiss, diese Reise würde teuer werden, aber Auguste Lanchon wusste, dass jeder Sou, den er ausgab, sich lohnen würde.
