Sein Liebling Noelle würde sich an die schöne Zeit erinnern, die sie zusammen verbracht hatten, und sie würde sich schutzsuchend an ihn wenden. Er würde einen Richter oder sonst einen Beamten bestechen – wenn es nicht zuviel kostete -, Noelle würde freigesprochen werden, und er würde sie in einem kleinen Appartement in Marseille unterbringen, wo sie immer für ihn da wäre, wenn er sie brauchte. Wenn bloß seine Frau nichts herausbekam.

In Athen arbeitete Frederick Stavros in seinem winzigen Anwaltsbüro im zweiten Stock eines alten heruntergekommenen Hauses im Armenbezirk Monastiraki. Stavros war ein empfindsamer junger Mann, eifrig und ehrgeizig, sich mühsam abrackernd, um aus seinem gewählten Beruf eine Existenzgrundlage zu schaffen. Da er sich keine Bürokraft leisten konnte, musste er die ganze langweilige juristische Kleinarbeit selbst erledigen. Gewöhnlich haßte er diesen Teil seiner Tätigkeit, diesmal machte sie ihm aber nichts aus, weil er wusste, dass seine Dienste, wenn er diesen Fall gewänne, derart gefragt sein würden, dass er sich für den Rest seines Lebens keine Sorgen mehr machen müsste. Dann könnten er und Elena heiraten und eine Familie gründen. Er würde in eine Flucht luxuriöser Büroräume umziehen, Sekretäre einstellen und in einen fashionablen Athener Klub eintreten, wo man mit reichen potentiellen Klienten bekannt wurde. Die Verwandlung hatte bereits begonnen. Jedesmal, wenn Frederick auf die Straße trat, wurde er von jemandem erkannt und angehalten, der sein Bild in der Zeitung gesehen hatte. In wenigen Wochen war er aus der Anonymität herausgeschleudert und zum Verteidiger von Larry Douglas geworden. Ganz im Hintergrund seiner Seele gestand Stavros sich ein, dass er den falschen Klienten hatte. Viel lieber hätte er die bezaubernde Noelle Page statt einer Null wie diesen Larry Douglas verteidigt, aber er selbst war ja auch eine Null. Es genügte schon, dass er, Frederick Stavros, ein Hauptbeteiligter in dem sensationellsten Mordfall des Jahrhunderts war.



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