
Gerade da hörte man irgendwo in der Ferne das grelle Pfeifen einer Lokomotive.
»Jetzt kommt der Sechsuhrzug«, sagte Anders.
»Ich weiß, was wir machen«, sagte Kalle. »Wir kriechen hinter die Fliederhecke in Eva-Lottes Garten und legen ein Paket mit einer Schnur dran auf die Straße raus. Wenn jemand kommt und das Paket sieht und es nehmen will, dann ziehen wir an der Schnur. Dann wollen wir sehen, was sie für Gesichter machen.«
»Ja, das scheint eine ganz passende Beschäftigung für einen Samstagabend zu sein«, sagte Anders.
Eva-Lotte sagte nichts. Aber sie nickte zustimmend.
Ein Paket war schnell zurechtgemacht. Alles, was man brauchte, gab es ja in Viktor Blomquists Lebensmittelgeschäft.
»Es sieht aus, als ob etwas Feines darin wäre«, sagte Eva-Lotte zufrieden.
»Ja, nun wollen wir sehen, wer nach dem Bissen schnappt«, sagte Anders.
Das Paket lag auf dem Pflaster und sah sehr inhaltsreich und verlockend aus. Daß eine Schnur daran festgebunden war und daß die Schnur hinter der Fliederhecke des Bäckermeisters verschwand, war auf den ersten Blick nicht leicht zu entdecken. Ein aufmerksamer Fußgänger hätte natürlich allerlei Kichern und Tuscheln hinter der Hecke hören können. Frau Petronella Apfelzweig, die Inhaberin des größten Fleischerladens der Stadt, die gerade die Straße heraufkam, war indessen nicht so aufmerksam, daß sie etwas Verdächtiges gesehen oder gehört hätte. Aber das Paket sah sie. Sie beugte sich mit großer Mühe nach vorn und streckte die Hand danach aus.
»Zieh!« flüsterte Anders Kalle zu, der die Schnur hielt.
Und Kalle zog. Mit rasender Fahrt verschwand das Paket hinter der Fliederhecke. Und jetzt konnte Frau Apfelzweig nicht umhin, ein unterdrücktes Gekicher zu hören Sie brach in einen Schwall von Worten aus. Die Kinder konnten nicht alles verstehen, was sie sagte, aber sie hörten, daß sie mehrere Male das Wort »Erziehungsanstalt« nannte als einen passenden Aufenthalt für mißratene Kinder.
