Tracy hatte Charles Stanhope junior während einer Finanztagung kennengelernt, auf der er den Gastvortrag hielt. Charles leitete die Investmentgesellschaft, die sein Urgroßvater gegründet hatte, und seine Firma stand in regem Geschäftsverkehr mit derBank, für die Tracy arbeitete. Nach Charles' Vortrag war Tracy zum Rednerpult gegangen, um seiner Auffassung zu widersprechen, daß die Länder der dritten Welt in der Lage seien, die schwindelerregendenBeträge zurückzuzahlen, die sie von Großbanken und westlichen Regierungen geborgt hatten. Charles war anfangsbelustigt, dannbeeindruckt und schließlich fasziniert von den leidenschaftlichen Argumenten der schönen jungen Frau. Sie hatten das Gesprächbeim Essen in einem Restaurant fortgesetzt.

Charles Stanhope junior ließ Tracy zunächst völlig kalt, obwohl sie natürlich wußte, daß man ihn für diebeste Partie von Philadelphia hielt.

Charles war fünfunddreißig, maß einen Meter achtundsiebzig, hatte schütteres strohblondes Haar undbraune Augen, trat ernst, ja pedantisch auf und war, so dachte Tracy, einer von jenen sterbenslangweiligen Reichen.

Als hätte er ihre Gedanken erraten, beugte sich Charles etwas vor und sagte:

«Mein Vater ist überzeugt, daß sie ihm im Krankenhaus das falscheBaby gegeben haben.«

«Wiebitte?«

«Ichbin aus der Art geschlagen. Ich finde nämlich nicht, daß

Geld der Hauptzweck des Lebens ist. Aber das dürfen Sie meinem Vaterbitte nie verraten.«

Er hatte etwas sobezauberndBescheidenes, daß sich Tracy allmählich für ihn erwärmte. Wie das wohl wäre, mit jemandem wie ihm verheiratet zu sein?

Es hatte Tracys Vater die meiste Zeit seines Lebens gekostet, ein Geschäft aufzubauen, über das die Stanhopesbloß spöttisch gelächelt hätten: unbedeutend. Zwischen den Stanhopes und den Whitneys liegen Welten, dachte Tracy. Aber was spinne ich da eigentlich vor mich hin? Ein Mann lädt mich zum Essen ein, und ich überlege mir, obich ihn heiraten will. Wahrscheinlich werden wir uns nie wiedersehen.



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