Die Oktavia war ursprünglich ein stattlicher Zweidecker gewesen, doch nachdem sie im Jahr zuvor in einem Hurrikan fast gesunken wäre, diente sie nun als Wohnschiff. Junge Offiziere, die auf neue Kommandos warteten, vertrieben sich dort die Zeit mit Kartenspiel, Schlaf oder betranken sich bis zur Bewußtlosigkeit. Beförderungen und Versetzungen, Seegerichte oder die letzten Vorbereitungen zur Heimreise eines im Kampf verstümmelten Seemannes, all das hatte die alte Oktavia gesehen.

Tag um Tag verging, und Bolitho begann zu glauben, er sei vergessen worden. Bald würde die Trojan einlaufen, und er müßte wieder in ihre festgefügte Gemeinschaft zurückkehren. Er lebte von einem Tag auf den anderen. Er hoffte, obwohl er nicht mehr wagte, allzuviel zu hoffen.

Die Befehle, die ihm dann endlich durch einen untadeligen Flaggleutnant überbracht wurden, waren kurz und verblüffend. Mit Einwilligung der Oberkommandierenden würde Richard Bolitho zum Kommandanten mit dem entsprechenden Rang und allen dazugehörenden Vorteilen ernannt. Die Beförderung würde ab sofort Gültigkeit erhalten. Außerdem habe er sich mit allen entsprechenden Ausrüstungsstücken und Rangabzeichen zu versehen und innerhalb von zwei Tagen im neueingerichteten Gebäude des Hauptquartiers zu melden.

Er starrte sein Bild im Spiegel an. Heute!

In Antigua konnte man für Geld offenbar alles bekommen, selbst in so kurzer Zeit. Und jetzt, anstelle seiner verblichenen Leutnantsuniform, betrachtete er die breiten, blauen Rockaufschläge und die einzelnen goldenen Streifen an den Ärmeln, die ihn als Kapitän auswiesen. Auf dem Stuhl hinter ihm schimmerte sein goldbetreßter Hut im hereinsickernden Sonnenlicht. Alles, was er trug, die weiße Weste und die Kniehosen, eine enge Halsbinde, die staubigen Schuhe, ja sogar der Degen, den er so sorgfältig ausgesucht hatte, alles war so neu, daß es wie geliehener Putz aussah.



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