Mein Atem hob und senkte meine Brust in hektischen Stößen, und die Lösung der unmittelbaren Anspannung verursachte mir Übelkeit. Nicht, daß plötzlich absolute Sicherheit als

Verheißung am Horizont aufgeflackert wäre. Ich war immer noch gefesselt und in einem fremden Haus, und ich hatte immer noch keine Ahnung, zu welchem möglichen Zweck ich als Geisel dienen konnte.

Der dicke Mann beobachtete mich weiter. Dachte weiter nach.

Ich versuchte, die Steifheit, die in meine Muskeln kroch, zu mildern, versuchte, die unbedeutenden Schmerzen und das pochende Kopfweh auszublenden, die ich nicht im geringsten wahrgenommen hatte, solange ich einer noch größeren Bedrohung gegenübergestanden hatte.

Im Zimmer war es kalt. Die Gummigesichter schienen es mollig warm zu haben in ihren Masken und Handschuhen, und der dicke Mann war gut isoliert und unempfindlich, aber in meinem Falle trug die Kälte eindeutig das Ihre zu meinem Jammer bei. Ich fragte mich, ob die Kälte als psychologische Einschüchterungsmaßnahme für meinen schon älteren Vater geplant oder ob sie einfach nur Zufall war. Nichts in dem Raum machte einen gemütlichen, bewohnten Eindruck.

Alles in allem war es ein Mittelklassewohnzimmer in einem kleinen Mittelklassehaus, erbaut, so schätzte ich, in den dreißiger Jahren. Man hatte die Möbel vor die gestreifte, cremefarbene Tapete geschoben, um dem dicken Mann ausreichenden Handlungsspielraum zu geben: Möbel, die aus einer phantasielosen dreiteiligen, mit rosafarbenem Chintz bezogenen Sitzgarnitur bestanden, einem Klapptisch, einer Stehlampe mit pergamentfarbenem Schirm und einer Glasvitrine mit gähnender Leere hinterm Glas. Auf dem auf Hochglanz gebrachten Birkenparkett lagen keine Teppiche, es gab keinen Schnickschnack, keine Bücher, keine Zeitschriften, überhaupt nichts Persönliches. So kahl wie die Seele meines Vaters, aber nicht sein Geschmack.



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