
«Haben Sie verstanden?«
Ich seufzte.»Ja.«
«Gut.«
«Kein mieser, kleiner Gauner, sagten Sie, glaube ich.«
Seine Nasenflügel bebten.»Ich bin ein Drahtzieher.«
«Und ein Mörder.«
«Ich morde niemals, es sei denn, das Opfer besteht darauf.«
Ich starrte ihn an. Er lachte innerlich über seinen hübschen kleinen Witz, und die Belustigung brach in kleinen Zuckungen seiner Mundwinkel und winzigen, schnaubenden Atemstößen aus ihm heraus.
Dieses Opfer würde wohl nicht darauf bestehen. Sollte er sich ruhig amüsieren.
Ich bewegte meine Schultern ein wenig und versuchte, die Muskeln zu lockern. Er sah aufmerksam zu und enthielt sich jeder Bemerkung.
«Wer«, sagte ich,»ist denn dieser Jockey?«
Er zögerte.
«Er ist achtzehn«, sagte er.
«Achtzehn…«
Er nickte.»Sie werden ihm die guten Pferde zum Reiten geben. Er wird Archangel im Derby reiten.«
Unmöglich. Vollkommen unmöglich. Ich betrachtete die Pistole, die so still auf der teuren Schneiderware lag. Ich sagte nichts. Es gab nichts zu sagen.
Als er wieder zu sprechen begann, lag neben der bedachtsamen Akzentlosigkeit die Befriedigung des Sieges in seiner Stimme.
«Er wird morgen zum Stall kommen. Sie werden ihn engagieren. Er hat noch nicht viel Rennerfahrung. Sie werden dafür sorgen, daß er sie bekommt.«
Ein unerfahrener Reiter auf Archangel. Der helle Wahnsinn. Ein solcher Wahnsinn, daß er mit Entführung und Morddrohungen arbeiten mußte, um klarzumachen, daß er es ernst meinte.
«Sein Name ist Alessandro Rivera«, sagte er.
Nach einer kurzen Bedenkzeit fügte er noch den Rest hinzu.
«Er ist mein Sohn.«
2
Als ich das nächste Mal erwachte, lag ich mit dem Gesicht nach unten auf dem nackten Fußboden des eichenvertäfelten Raumes in Rowley Lodge. Zu viele nackte Bretter überall. Nicht meine Nacht.
