
Gummigesicht, das ich mit der Lampe getroffen hatte, entschlossen seinem Ziel zustrebte.
Der Taschenlampenstrahl flackerte von mir weg, kreiste kurz und ruhte schließlich felsenfest auf dem Lichtschalter neben der Tür. Bevor ich ihn erreichen konnte, schoß die schwarzbehandschuhte Hand herunter und klickte die fünf doppelten Wandleuchter an, zehn nackte Kerzenbirnen, die den quadratischen, holzvertäfelten Raum in kaltes Licht tauchten.
Es gab zwei Fenster mit grünen, bodenlangen Vorhängen. Einen Teppich aus Istanbul. Drei nicht zusammenpassende William-und-Mary-Stühle. Eine Eichentruhe aus dem sechzehnten Jahrhundert. Einen niedrigen Walnußschreibtisch. Es war ein karges Zimmer, Spiegel der kargen und spartanischen Seele meines Vaters.
Ich war immer der Meinung gewesen, daß der beste Zeitpunkt, eine Entführung zu vereiteln, der Augenblick war, in dem sie begann; daß man sich, wenn man den Marschbefehlen gehorchte, zwar augenblicklichen Schmerz, aber keine Langzeitangst ersparen konnte; daß Entführer später töten mochten, aber nicht am Anfang, und daß ein Mensch, dessen Sicherheit auf dem Spiel stand, töricht wäre, sich kampflos geschlagen zu geben.
Nun, ich kämpfte.
Ich kämpfte noch ganze neunzig Sekunden lang, während derer es mir mißlang, die Lichter auszuschalten, durch die Tür zu entkommen oder mich durch eines der Fenster ins Freie zu stürzen. Ich hatte dem Knüppel des einen und der schußbereiten Automatik des anderen nur meine Hände und keine besonderen Fähigkeiten entgegenzusetzen. Die identischen Gummigesichter kamen mit entnervendem Mangel an menschlichem Ausdruck auf mich zu, und obwohl ich — wahrscheinlich unklugerweise — versuchte, einem von ihnen die Maske wegzureißen, erreichte ich nicht mehr, als zu spüren, wie meine Finger über die zähe, glatte Oberfläche glitten.
Sie zogen den Nahkampf vor, das Opfer an die Wand gedrängt. Da sie zu zweit waren und Meister ihres Gewerbes zu sein schienen, bezog ich in diesen ewigwährenden neunzig Sekunden solche Dresche, daß ich zutiefst wünschte, meine Entführungsvermeidungstheorien nicht in die Praxis umgesetzt zu haben.
