
»Nein«, widersprach Molly, ohne ihren Kopf von meiner Schulter zu heben. »Du dachtest nur, du wüsstest es. Willkommen in der echten Welt, Eddie! Abscheulicher Ort, nicht wahr?«
»Nein«, widersprach ich. »Sie hat dich in sich.«
Wir verließen die Wohnung und begaben uns nach unten in den umschlossenen Hof - und blieben prompt stehen, als uns zu Bewusstsein kam, dass das schmiedeeiserne Tor weit offen stand. Ich blickte hinaus auf die Straße, und eine ganze Armee schwer bewaffneter und gepanzerter Männer erwiderte meinen Blick. Molly kam zu mir und stellte sich dicht neben mich. Zwei schwarze Kampfhubschrauber erfüllten den frühen Morgen mit ihrem Lärm, während sie oben in Stellung gingen. Ich hob den Kopf und straffte die Schultern. Erste Regel eines Frontagenten: Niemals Angst zeigen. Ich schlenderte zum offenen Tor hinüber, um mir die Sache genauer anzuschauen.
Es mussten mindestens fünfzig Bewaffnete sein, anonym in Körperpanzerung und Helmen mit dunklen Visieren, von denen jeder Einzelne seine überdimensionierte Waffe genau auf mich gerichtet hatte. Automatische Waffen, die neuesten Modelle - sie wollten kein Risiko eingehen. Ich sah die Straße hoch und runter: Sie hatten beide Enden mit gepanzerten Fahrzeugen blockiert. Verängstigte Gesichter spähten durch geschlossene Fenster die Straße hoch und runter: Im kultivierten Knightsbridge erwartete man keine Anblicke wie diesen.
Eine gepanzerte Gestalt kam vor, um mir entgegenzutreten, wobei sie allerdings einen Sicherheitsabstand einhielt. Der Mann schob sein Visier gerade so weit hoch, dass er ein elektrisches Megaphon darunter bekam.
»Edwin Drood, Molly Metcalf! Wir befehlen Ihnen, sich zu ergeben. Der Nichtbefolgung dieses Befehls wird mit aller gebotenen Gewalt begegnet werden.«
Ich schaute Molly an. »Und? Wie möchtest du das gern spielen?«
Sie lächelte liebreizend. »Ach, wie üblich, denke ich. Jeden Einzelnen mit extremer Brutalität und Unerfreulichkeit heimsuchen, plötzlich und gemein und überall.«
